Velotour zu dritt

Frühling. Auch die Zeit, um die Velos wieder hervorzuholen. Meines war zwar während des ganzen milden Winters im Einsatz gewesen, und der perfekte Sohn war immer mal wieder zu Freund oder Freundin geradelt, doch gemeinsame Velotouren hatte es keine gegeben. Bis gestern. Die perfekte Tochter hatte einen Coiffeurtermin, und wir beschlossen, mit dem Velo ins nahe Städtchen zu fahren.

Perfekte Tochter vor dem Losfahren: „Soll ich die Kappe oder das Sonnenhüetli anziehen?“

Ich: „Den Velohelm!“

Ich checkte noch einmal meine Wetter-App und den Himmel. Kein Regen in Sicht.

„Wir können die Frühlingsjacken anziehen, Regenjacken brauchen wir keine.“

Perfekter Sohn beim Losfahren: „Wartet auf mich!!!!“

Wir liessen ihn vorausfahren, nach wenigen Metern schrie er: „Stopp! Ich halte an! Meine Hose rutscht runter…“

Anhalten. Hose rauf. Weiterfahren.

„Stopp! Anhalten! Meine Hose…“

Anhalten. Hose rauf.

„Perfekter Sohn, damit musst du jetzt leben. Wir können nicht alle zwei Meter anhalten, damit du deine Hose raufziehen kannst. Ui, perfekte Tochter, du hast chli wenig Luft in deinem Hinterrad. Hoffentlich geht das!“

Weiterfahren.

„Mami, es geht nicht! Wir müssen pumpen!“

„Ich habe keine Pumpe dabei. Fahr einfach.“

Um umzukehren und zu pumpen war die Zeit zu knapp.

„Mami, ich kann nicht mehr fahren, es ist zu anstrengend mit so wenig Luft!“

Anhalten. Den Pneu checken.

„Ach, so wenig Luft ist das gar nicht. Das geht schon.“

„Mami, ich glaube, mein Velo hat auch chli wenig Luft…“

„Vergiss es!“

Wir kamen auf die Hauptstrasse, es begann zu tröpfeln. So viel zu Wetter-App und Himmel. Ich fuhr voraus. Hinter mir…

„Du darfst mich nicht überholen! Spinnst du?! Hier fahren Autos!“

„Ich will aber nicht zuhinterst sein!“

„Mami, halt an!!!“

Anhalten.

„Was ist das Problem?“

„Ich will nicht zuhinterst fahren!“

„Ich auch nicht!“

„Okay. Dann fahre ich zuhinterst. Wer fährt voraus?“

„Ich nicht.“

„Ich auch nicht.“

Es regnete. Wir waren 500 Meter von zu Hause weg und hatten noch etwa zwei Kilometer vor uns. Die Bushaltestelle war in der Nähe, aber mit den Velos in den Bus? Nein.

Es wurde Zeit für einen Rollenwechsel. Exkursionsleitung statt Pannenhilfe.

„Perfekte Tochter, du fährst zuvorderst. Schön am Rand! Perfekter Sohn, du bist in der Mitte und überholst nicht! Ich fahre zuhinterst. Los!“

Es ging los.

„Links abbiegen! Wieder auf der rechten Seite fahren! Dort vorne rechts abbiegen, dem Wegweiser nach. Nicht zu schnell auf den Steinen! Stopp! Ab hier fahre ich voraus, dann du, dann du, immer schön am rechten Rand, in meinem Tempo. Was? Es ist anstrengend? Absteigen. Velo schieben. Wir haben es fast geschafft! Wie bitte? Für das letzte Stück willst du zuhinterst fahren? Ja, bitte sehr.“

Es regnete nicht mehr. Die perfekte Tochter betrat den Coiffeursalon pünktlich auf den Glockenschlag. Als sie fertig war, gönnten wir uns Kaffee und Kuchen und anschliessend eine kleine Shoppingtour.

Die Heimfahrt verlief bei strahlendem Sonnenschein ohne Zwischenfälle.

Ich meine: Einmal alle Kindervelos pumpen, und dann steht der Saison der Velotouren nichts mehr im Weg!

2016-03-31 10.01.42

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