Der perfekte Sohn gibt nicht Gas

Der perfekte Sohn und ich haben ein morgendliches Abschiedsritual: Ich begleite ihn bis zu unserem Briefkasten, verabschiede ihn, bleibe stehen und schaue ihm zu, bis er – meistens rückwärts gehend und immer lauter mit mir redend – das Ende der Strasse erreicht. Wenn er so weit ist, winken wir beide wie wild (ausser er begegnet zufälligerweise seinen Gspänli, dann winke nur ich wie wild), er verschwindet um die Ecke, und ich gehe ins Haus zurück.

Heute Morgen machten wir das auch so, und ich sagte beim Abschied:

„Heute musst du Gas geben, sonst kommst du zu spät in den Chindsgi!“

„Warum?“, fragte er, bereits rückwärts von mir weggehend.

„Weil du spät dran bist.“

Er ging weiter und rief dann: „Das ist wahrscheinlich wegen unserem Streit!“

„Ja!“, rief ich zurück, „der hat Zeit gebraucht!“

Er ging weiter. Rückwärts und im Zickzack quer über die Strasse, ganz offensichtlich ohne Eile. Kurz bevor er das Ende der Strasse erreicht hatte, rief er:

„Dann komme ich halt zu spät. Egal.“

Egal. Wäre ja wirklich blöd, sich von einem dummen Streit am Morgen den gemütlichen Chindsgiweg nehmen zu lassen!

2016-02-24 10.23.15

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