Pädagogischer Dienstag „Zickenalarm“: Ein 4-Punkte-Plan für Mädchenmütter

Dienstag ist Pädagogik-Tag auf „Perfektwir“. Ich schreibe über ein Thema aus den Bereichen Bildung und Erziehung, oder ich weise auf spannende Texte und Zitate hin.

Letzte Woche habe ich unter dem Stichwort „Zickenalarm“ beschrieben, was es auslöst, wenn meine Tochter weinend vor mir steht, weil ihre Freundinnen sie ausschliessen. Auch nachdem sich die Situation beruhigt hatte, arbeiteten die Gedanken in mir weiter. Heute versuche ich, sie zu sortieren (Zusammenfassung zuunterst auf der Seite!).

Ich merkte schnell, dass das hier ein Thema ist, das mich tief in meiner Persönlichkeit trifft. Es geht nicht nur um meine Tochter, sondern auch um mich. Um meine Gefühle, um meine Werte, um meine Erfahrungen.

Um den Fokus von mir wegzunehmen, überlegte ich, wie ich denn als Lehrerin auf die „Zickenkriege“ der Schülerinnen reagiert hatte. Dabei merkte ich, dass diese mich kaum betroffen hatten. Natürlich beobachtete ich Koalitionen, die sich bildeten und auflösten, und nahm die „Hierarchien“ wahr, die innerhalb einer Klasse wuchsen, aber sie liefen grösstenteils unterschwellig. Waren die Kämpfe der Jungs oder die „Buebe-gäge-Meitli“-Reibereien gern Thema im Klassenrat, wurden Streitereien unter den Mädchen selten offen angesprochen. Und ich suchte nicht danach. Es war mir wichtig, die Mädchen grundsätzlich zu stärken, gerade auch die schüchternen, unscheinbaren, die Gefahr liefen, in der Hackordnung unterzugehen. Ich plädierte für Solidarität unter den Mädchen und dafür, dass sie so laut und sichtbar sein dürfen wie die Jungs. Ich setzte mich in meinen Klassen für Werte wie Toleranz, Freundschaft und Individualität ein.

Aber ich hielt als Lehrerin nie ein weinendes Mädchen im Arm, das nicht mit seinen Freundinnen mitlaufen durfte!

Das ist eine Mutter-Aufgabe.

Und so bin ich zurück bei mir und den Gefühlen, die die Situation in mir auslöste.

Schmerz: Es tat weh zu sehen, wie unglücklich mein Kind war. Es tat weh, an Situationen erinnert zu werden, in denen ich mich als Kind ausgeschlossen gefühlt hatte.

Wut: Es machte mich wütend, dass jemand meinem Kind weh tat.

Frust: Es frustrierte mich, dass mein Kind diesen Mechanismen ausgeliefert war.

Ärger: Es ärgerte mich, dass ich mich mit den Machtspielen kleiner Mädchen befassen musste, statt einen friedlichen Morgen zu verbringen.

Trauer: Es machte mich traurig, dass mein Kind traurig war. Es machte mich traurig, dass Menschen einander überhaupt weh tun.

Je nachdem, welches Gefühl Überhand nimmt, fällt meine Reaktion unterschiedlich aus. Schwingen Wut und Ärger obenauf, möchte ich diese an den Mädchen auslassen, die meiner Meinung nach dafür verantwortlich sind. Gewinnen Trauer und Schmerz, möchte ich mein Kind davor bewahren. Und wenn der Frust sich durchsetzt, resigniere ich und mache gar nichts mehr.

Bei mir war alles da – auch als es der perfekten Tochter schon wieder prima ging – und nichts davon gewann wirklich die Oberhand. Mal dachte ich: „Jetzt sage ich diesen Zicken aber mal tüchtig die Meinung!“. Dann setzte ich auf eine diplomatische Lösung: „Ich werde mal in Ruhe mit ihnen reden.“ Oder ich dachte: „Was soll’s? Das gehört einfach dazu, da muss sie durch.“

Ich merkte: Es hilft meiner Tochter nicht, wenn ich aus meinen Gefühlen heraus handle. Es geht um sie. Um ihre Gefühle, um ihre Bedürfnisse. 

Vielleicht braucht sie eine Mutter, die sie an der Hand nimmt und in die Schule begleitet.

Vielleicht braucht sie eine Mutter, die ihr sagt: „Du schaffst das! Du bist stark und mutig genug, um allein zu gehen. Los! Ich denke an dich.“

Vielleicht braucht sie eine Mutter, die ihr zeigt, wie man den ersten Schritt auf die „Feindin“ zumacht, damit diese wieder zur Freundin wird.

Vielleicht braucht sie eine Mutter, die mit ihr zusammen darüber trauert, dass nicht alle Menschen Freunde sind.

Vielleicht braucht sie eine Mutter, die sie daran erinnert, dass sie gestern diejenige war, die die andere nicht mitspielen liess.

Die perfekte Tochter brauchte am letzten Mittwoche eine Mutter, die ihr zeigte, dass sich ein Problem lösen lässt. Dass man aus einer widrigen Situation wieder herauskommen kann. Damit war gut für sie. Die Zickereien mit ihren Freundinnen löst sie seither wieder ohne ihre Mutter.

Und diese fasst ihre Gedanken-Sortierung wie folgt zusammen:

Mein 4-Punkte-Plan bei Konfrontation mit „Zickenalarm“

  1. Ich werde mir meiner eigenen Gefühle bewusst und stelle sie vorerst hintenan.
  2. Ich lege den Fokus auf die Bedürfnisse meines Kindes in dieser Situation.
  3. Ich suche mit dem Kind zusammen eine Lösung.
  4. Ich nehme meine Gefühle später wieder hervor und gebe ihnen den ihnen zustehenden Raum.

P.S. Ich schreibe hier harmlos von „Zickenalarm“ und meine damit die Reibereien unter den Mädchen, die mal dieses und mal jenes Kind treffen. Ich meine nicht Mobbing, bei dem ein Kind systematisch und über längere Zeit ausgegrenzt wird. Das ist ein grösseres Thema, das zusätzliche Massnahmen erfordert.

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