Schulferien – Erholung oder „strenge Zeit“?

„Ich komme zu nichts!“, stellte ich gestern beim Über-den-Gartenhag-Gespräch mit meiner Nachbarin verwundert fest, und sie, deren Kinder bereits aus dem Schulalter heraus sind, meinte verständnisvoll: „Ja, Schulferien sind eine strenge Zeit für die Mutter!“

Ich stutzte einen Moment. Ist das tatsächlich so?

Bis vor einem Dreivierteljahr waren Schulferien die Zeit, in der das Kind mit den unendlich vielen Spielideen endlich wieder den ganzen Tag zu Hause war und ihren kleinen Bruder unterhalten konnte. Sie spielten und spielten und waren grundsätzlich froh, wenn ich sie dabei in Ruhe liess.  Dass die gleichaltrigen Kinder von Freundinnen zur selben Zeit Ferien hatten, bescherte den Kindern darüber hinaus spannende Stunden mit zusätzlichen Spielkameraden und mir gemütliche Kaffeerunden. Nein, ich empfand Ferien in keinster Weise als „strenge Zeit“!

Allerdings hat sich die Situation tatsächlich verändert, seit der perfekte Sohn im Chindsgi ist. Wenn nun die Ferien anfangen, sind zwei Kinder den ganzen Tag zu Hause, die sich erst wieder aneinander gewöhnen müssen. Die beide Ideen für Spiele haben und beide das Bedürfnis nach Ruhe, aber selten so, dass es zusammen passt. Die lieber etwas unternehmen mit den Eltern, als von ihnen in Ruhe gelassen zu werden. Und da ist eine Mutter, die sich daran gewöhnt hat, ihre Tage einteilen zu können, dabei tatsächlich die Aufgaben zu erledigen, die sie sich vorgenommen hat, und immer noch Zeit für sich zu haben (auch wenn sie dazu tendiert, sich zu viele Aufgaben vorzunehmen…). Auch sie muss sich daran gewöhnen, dass ihre Kinder plötzlich wieder den ganzen Tag zu Hause sind, Wünsche und Ideen haben und Zeit beanspruchen.

Dabei komme ich tatsächlich zu nichts. Ich verbringe gefühlt zwar viel Zeit mit Haushalten, mache dabei aber nicht mehr als zu kochen, die Küche aufzuräumen und Wäsche zu waschen, aufzuhängen und zusammenzulegen (ich sage nur: Sandkastensaison…). Das Badezimmer bleibt ungeputzt, und die Blumen sind noch immer nicht eingetopft. Nicht zu reden von dem, was im Büro liegen bleibt!

Dafür hat der perfekte Sohn eine neue Trinkflasche, deren Kauf wir mit einer Velofahrt verbunden haben. Beim Wocheneinkauf haben wir den dringend notwendigen Kinderhosenkauf erledigt. Wir machten einen sommerlich anmutenden Ausflug und verbringen Zeit mit den Nachbarn. Zudem fanden eine Bekannte und ich endlich Zeit für den Kaffee, den wir seit einem halben Jahr zusammen trinken wollten.

 

Nun? Erholung oder strenge Zeit?

Es liegt an mir. worauf ich den Fokus setze. Ich kann es anstrengend finden, dass die Kinder mich fordern und meine Aufgaben liegen bleiben. Oder ich kann mich entspannen und Energie tanken, während ich den Kindern dabei zusehe, wie sie einen Bach stauen, oder mit ihnen eine Velotour unternehme.

Ich nehme die Erholung!

2015-04-14 14.44.38

2 Antworten zu “Schulferien – Erholung oder „strenge Zeit“?

  1. Hallo!

    In meinem Umfeld haben auch immer wieder ganz viele Menschen gestöhnt und gejammert und gesagt, hoffentlich fängt die Schule bald wieder an.

    Bei mir war es immer das Gegenteil, ich habe die Ferien sowas von genossen! Endlich konnte ich die Kinder einfach Kinder sein lassen, den ganzen Tag spielen und toben und musste nicht darauf achten, wann es ins Bett geht und wann aufzustehen ist. Keine Verpflichtungen für mich wie Hefte kaufen, Bastelgeld mitgeben etc.

    Ich habe die Ferien immer geliebt, ich konnte mit den Kindern etwas unternehmen ohne darauf achtgeben zu müssen ob am nächsten Tag eine Schularbeit geschrieben wird. Einfach herrlich!

    lg
    Maria

  2. Liebe Maria, es ist ein halbes Jahr her, seit du diesen Kommentar geschrieben hast, und ich verstehe ihn erst jetzt richtig. Ja! Das Wunderbare an Ferien ist, dass ich als Mutter die Kinder einfach machen lassen kann! Keine Pflichten, die sie erledigen müssen und zu deren Erledigung ich sie pädagogisch sinnvoll anleiten muss. Wie du schreibst: Herrlich!
    Herzlichster Gruss, Mirjam

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