Pädagogischer Dienstag: Geborgenheit in einer unsicheren Welt

Im Bann des Familiendramas, das sich in unserer Nähe abspielte, widme ich den heutigen pädagogischen Dienstag der Thematik „Geborgenheit und Sicherheit in einer Welt, in der Schreckliches geschieht.“

Vom Umgang mit dem Schrecklichen

Unsere Kinder leben seit gestern mit dem Wissen, dass Eltern ihren Kindern ganz schlimme Dinge antun können. Dass ein Vater oder eine Mutter ihr Kind töten können.

Es gibt viel zu fragen und zu reden. Es war das letzte Thema, über das beide Kinder vor dem Einschlafen sprachen, und ihm galt die erste Frage, die die perfekte Tochter heute Morgen stellte. Es bestimmte unsere Gespräche beim Frühstück und verlor erst im Lauf des Draussenseins am Morgen etwas an Dringlichkeit.

Bestimmt wird es wieder aufkommen, und jede Vermutung, die jemand anstellt, wenn die Kinder es hören, werden wir ausführlich diskutieren. Es geht dabei nicht um Sensationslust und auch nicht um Schuldzuweisung. Es geht darum, dass das Gehörte den Kindern Angst macht.

Angst, jemand den sie lieben, könnte ihnen etwas antun.

Angst, sie könnten etwas tun, dass ihre Eltern in eine unkontrollierbare Wut versetzt.

Angst vor dem Tod.

Angst vor dem Sterben.

Ängste, an die ich gar nicht denke, aber die bei ihnen aufkommen aufgrund dessen, was sie hören und sich vorstellen.

Darüber zu reden, hilft zu verstehen und zu verarbeiten. Es beruhigt sie zu wissen:

„Die Eltern haben sich gestritten. Das Kind hat nichts falsch gemacht.“

„Ein normaler Papi – so wie unser – macht so etwas nicht.“ (Oder wie es der Paartherapeut Josef Lang zu Tele M1 sagte: „Dafür braucht es aber auch eine gewisse Persönlichkeitsstruktur, damit sich die Gewalt gegen das eigene Kind entladen kann.“)

Es gibt aber auch den Punkt, an dem ich sage: „Jetzt ist es genug. Ich glaube, wir haben alles gesagt, was wir im Moment dazu sagen können.“ Die Ängste sollen Platz haben, aber wir wollen dem Schrecklichen nicht zu viel Raum geben.

Nicht alle Kinder verarbeiten ihre Ängste und Unsicherheiten auf dieselbe Art. Bei uns ist es vor allem die perfekte Tochter, die fragt und diskutiert und alles redend in Zusammenhang bringen muss. Der perfekte Sohn hört zu und macht sich sein eigenes Bild. Er fragt wenig, dafür sehr konkret, und vielleicht sagt er uns zum Schluss, was er sich ausgedacht hat. Andere Kinder wollen vielleicht gar nicht reden, sondern suchen körperliche Nähe zu ihren Eltern, ziehen sich zurück oder verhalten sich auffällig.

Es ist unsere Aufgabe als Eltern, genau hinzuschauen und achtsam zu sein, was unsere Kinder brauchen, wenn sie mit dem Bösen in der Welt konfrontiert werden. Sie sollen damit nicht allein sein.

 

Geborgenheit vermitteln

Wir können unsere Kinder nicht davor beschützen, dass sie in einer Welt leben, in der Schreckliches geschieht. Wir können – und es fällt mir unglaublich schwer, dies zu schreiben – sie nicht mit Sicherheit davor bewahren, Schreckliches zu erleben.

Aber wir können ihnen innerhalb der Familie Geborgenheit und Sicherheit geben!

Ich versuche das zum Beispiel, indem ich meinen Kindern vorlebe und sie spüren lasse:

  • Gefühle sind wichtig und werden ernst genommen.
  • Es gibt schöne und schwierige Gefühle. Wir alle kennen beides. Beides ist normal.
  • Man kann lernen, mit Gefühlen wie Wut, Frustration und Überforderung umzugehen. Sie auszusprechen kann dabei helfen.
  • Es gibt Vieles, das uns Angst macht. Auch hier kann reden helfen.
  • Wir müssen unsere Probleme nicht allein lösen. Wir helfen einander. Wir sind füreinander da.
  • Wir beten. Wir vertrauen auf Gottes Hilfe.
  • Alle machen Fehler, allen passieren Fehler.
  • Aus Fehlern können wir lernen. Fehler darf man zugeben. Ein „es tut mir leid“ kann Wunder wirken.
  • Wir sind alle in Ordnung, so wie wir sind.
  • Ich liebe dich, mein Kind, so wie du bist. Immer. Bedingungslos.

Ich wünsche mir Geborgenheit für alle Kinder auf dieser Welt. Ich fange bei meinen Kindern an.

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3 Antworten zu “Pädagogischer Dienstag: Geborgenheit in einer unsicheren Welt

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