Naturmuseum statt Natur

Trotz meinem Plädoyer fürs Draussensein gibt es Tage, an denen mich meine eigenen Argumente nicht überzeugen. Heute zum Beispiel, mit all dem Regen, dem schmelzenden Schnee und dieser Nasskälte vor der Haustür – heute unternehmen wir etwas im Trockenen!

Spontan dachte ich an Hallenbad, aber da wären wir ja auch wieder nicht im Trockenen. Nein, keine nassen Füsse und Haare für Körper, die sich erst gerade vom letzten viralen Infekt erholen!

Museum? Museum!

„Kinder, habt ihr mehr Lust aufs Naturama oder aufs Kunsthaus?“

„Was isch das?“

„Das Naturama ist das Haus mit dem Mammut, das Kunsthaus das mit den Bildern.“

„Also Tiere sind spannender. Und wenn man die Bilder anfasst, gibt es einen Alarm, und es kommt die Feuerwehr oder die Polizei. Das habe ich im Chindsgi gelernt.“

„Also lieber ins Naturama?“

„Ja!“

 

Einige Zeit später standen wir vor den beiden Mammuts, deren Geräusche uns immer noch ein bisschen unheimlich sind, und hofften, sie würden nicht plötzlich anfangen, sich zu bewegen. Wir schauten den Film über die Dinosaurier-Ausgrabungen und beschlossen, Archäologin wäre definitiv kein Beruf für mich, aber einer für die perfekte Tochter. Sie will trotzdem Schul-Lehrerin werden. Der perfekte Sohn stellte sich unters Dino-Skelett und bestaunte dessen Zähne. Die perfekte Tochter weigerte sich, unter dem Skelett hindurchzugehen, da es sie ganz sicher auffressen würde. Wir hörten auf unseren Audio-Guides, was Heuschrecke Gümpi und „Tante Schnägg“ zu einzelnen Ausstellungsstücken oder -themen zu erzählen hatten.

Auf den oberen beiden Stockwerken beobachteten wir winzige Mäuse, lernten eine fleissige Ameise kennen und schauten einen Film über Insekten. Auf einem grossen Relief liessen wir uns unseren Wohnort zeigen. Wir besuchten die Ausstellung über Auenlandschaften und waren froh, dass die Abstimmung vor über 20 Jahren zu deren Schutz und Wiederherstellung ausgegangen war. Sonst könnten wir nämlich jetzt keine Biberspuren beobachten auf unseren Spaziergängen! Wir streichelten ein Biberfell, schauten uns ein wenig ratlos in der Ausstellung um und merkten, dass wir Hunger hatten. Noch eine Geschichte von „Tante Schnägg“, dann wäre es Zeit fürs Mittagessen.

Ein grosses Plus des Naturamas – neben der sehr kindgerechten Ausstellung – ist: Man kann das Gebäude verlassen, ohne durch den Souveniershop geführt zu werden! Es war also ganz allein meine Entscheidung, noch in dessen Richtung zu schlendern, um die ausgestellten Bücher genauer anzuschauen. Ich nahm in Kauf, was unweigerlich folgte:

„Mami, dörfe mir no es Adänke usläse?“

„Ja. Ich will auch eins!“

Die perfekte Tochter entschied sich für ein Plüschmammut (das keine Geräusche macht), der perfekte Sohn für einen Plüschigel. Ich schwankte zwischen Steinschmuck und einem Bilderbuch und entschied mich schliesslich für Letzteres:

2015-01-29 16.01.50

„Der kleine Biber und die Tiere am Fluss“, Reichenstetter, Friederun; Döring, Hans-Günther (Illustrationen), Arena-Verlag

 

Danach gab es ein Mittagessen im Restaurant („Mami, wenn mache mir jetzt d’Spaghetti vom Plan?!“) und anschliessend Mittagsruhe zuhause.

Für mich mit Zeitung und Kaffee, für die Kinder mit ihren neuen Plüschtieren und meinem neuen Buch. Sie hörten die CD, schauten das Buch an und lernten noch mehr über die Natur. Trotz Drinnensein.

 

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