Wäschekorb oder nicht? Von Unterschieden zwischen Geschwistern

 

Ich habe vor einigen Wochen beschlossen, den Mama-Service „den Kindern Kleider und Pyjama hinterherräumen“ einzustellen. Es gab keinen besonderen Grund dazu, ausser dass ich angefangen hatte, mich dabei mehr wie ein Hausmädchen als wie eine Mutter zu fühlen.

Von nun an galt also: Nach dem Anziehen am Morgen Pyjama in die Bettschublade, nach dem Pischelen am Abend Kleider sortieren. Unterwäsche und Socken in den Wäschekorb, Pulli und Hose je nach Zustand in den Wäschekorb oder auf den ehemaligen Wickeltisch, der heute als Kleiderablage fungiert.

Die Kinder reagierten unterschiedlich auf diese Neuerung im Tagesablauf:

Während der perfekte Sohn, dem ritualisierte Handlungen grundsätzlich liegen, die neue Aufgabe von Beginn weg souverän und zuverlässig erledigte, braucht die perfekte Tochter immer noch häufig eine Mahnung. Diese fällt meiner Tagesform entsprechend mehr oder weniger geduldig aus.

Auch die Entscheidung „Wäschekorb oder nicht“, wird von beiden Kindern sehr unterschiedlich beantwortet:

Beim perfekten Sohn wandert die Hose jeden Abend in den Wäschekorb. Entweder ist sie schmutzig oder sie stinkt. Ich bitte ihn regelmässig, weniger streng zu sein, weil es einfach knapp wird mit den Hosen, wenn er jeden Tag eine neue anzieht. Glücklicherweise lässt er mit sich reden und akzeptiert manchmal, dass ich die Hose wieder aus dem Wäschekorb fische. Aber eigentlich müsste er sie täglich wechseln, seine schönen, farbigen Hosen!

Bei der perfekten Tochter würde ohne meine Intervention NIE etwas in den Wäschekorb wandern. Zwar doch, Pullis haben auch schon das Etikett „der stinkt“ bekommen, aber ihre Hosen würde sie wohl wochenlang tragen, ohne überhaupt zu sehen, dass sie schmutzig geworden sind. Es fällt ihr einfach nicht auf, es interessiert sie nicht. Genauso wenig wie es sie interessiert, wenn in ihrem Zimmer Kleider über den Boden verstreut sind oder ihr Pyjama mitten im Gang liegt. Sowas ist schlicht nicht relevant für sie.

2015-01-11 10.55.07

 

Ich ermahne und lache über die „saubere Hose“ mit den Schlammflecken auf beiden Knien.

Ich rühme und bewerte die „stinkende Hose“ als noch tiptop frisch.

Und ich wundere mich einmal mehr, wie unterschiedlich Geschwister doch manchmal sind.

 

6 Antworten zu “Wäschekorb oder nicht? Von Unterschieden zwischen Geschwistern

  1. Ich musste gleich beim Lesen lächeln 😄. Ich habe auch schon angefangen meine Kinder im Haushalt zu integrieren. Feste Aufgaben haben eher dazu beigetragen, dass ich auch ständig am Ermahnen war. Dann hab ich umgestellt auf: Jeder soll an jedem Tag etwas für die Familie machen. Also etwas um den Ablauf zu Unterstützen. Das wurde prima angenommen. Meine 4jährige überraschte mich sogar mal mit Frühstück herrichten! Und mein Kleiner deckt liebend gerne Tische oder räumt mit mir die Spülmaschine aus – da muss ich nur schnell genug sein, wenn er mir die Sachen reicht 😊
    Lg Petra

    • Das finde ich eine schöne Idee! Ich habe eben etwas Mühe mit „Ämtliplänen“ zuhause. Das erinnert mich zu sehr an die Schule :-). Die Idee vom perfekten Ehemann und mir ist, dass es selbstverständlich wird, dass alle etwas beitragen im Haushalt. Dass wir z.B. gemeinsam den Tisch abräumen, uns abwechseln beim Kompost-Raustragen,… Ich weiss schon, dass ein Plan eine Starthilfe dafür sein kann, aber ich wünsche mir, dass wir ohne auskommen. Deshalb gefällt mir deine Idee sehr gut.

  2. Ich habe meinen Kindern im entsprechenden Alter in jedes Zimmer einen eigenen Wäschekorb (einen keinen wie Frosch oder Hund aussehenden) gestellt.

    Es galt die Regel gewaschen wird nur, was im Wäschekorb ist. Was am Boden liegt wasche ich nicht.

    Wenn ich Wäsche waschen wollte habe ich eine Stunde vorher gesagt, dass ich Wäsche wasche und in einer Stunde den Korb abhole.

    Je nach Bedarf oder Lust und Laune wurde dann eifrig aufgeräumt oder eben nicht.

    Für mich war das die perfekte Lösung. Ich musste nie mehr schimpfen und die Kinder haben sich nicht über mich geärgert. Nichts mehr anzuziehen zu haben war der beste Lehrer!

    lg
    Maria

    • Liebe Maria, das tönt nach einer einfachen Lösung, die ohne viele Worte auskommt – das gefällt mir. Wir sind noch ein paar Schritte von solchen Massnahmen entfernt. Die perfekte Tochter verschlampt ihre Wäsche nicht mit Absicht oder aus Faulheit, sondern weil sie es wirklich nicht „sieht“. Ich lasse ihr noch etwas Zeit, in dieser Hinsicht zu reifen… ;-).

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