Monatsmotto Januar „Spielen“: Verlieren ist doof! Und spielen trotzdem schön.

Als hätten die perfekten Kinder meine Ankündigung vom Montag gelesen, waren Spiele diese Woche unsere Hauptfamilienbeschäftigung. Der perfekte Sohn und ich verbrachten mindestens die Hälfte seines freien Mittwochmorgens mit Spielen, und die perfekte Tochter erholte sich nach Schule und Hausaufgaben beim Spielen mit mir.

Wie?! Die perfekte Tochter erholt sich beim Spielen?! Sie, die vor drei Jahren beschlossen hatte, bei Gesellschaftsspielen nicht mehr mitzumachen, da man dabei verlieren kann, und sie offenbar der blosse Gedanken daran überforderte. Alle unsere pädagogisch wertvollen Gesellschaftsspiele blieben im Regal, wenn es nach ihr ging.

Wir probierten Verschiedenes aus, um sie zu motivieren: Spiele, bei denen es nur Sieger oder nur Verlierer gibt? Nein, auch gemeinsam Verlieren ist Verlieren! Im Team gegeneinander spielen? Nein, Verlieren bleibt Verlieren, trotz gegenseitigem Trost. Sie war Schiedsrichterin, Coach und Reporterin bei unseren Spielen, was wir mal mehr, mal weniger duldeten. Sie probierte Rollen aus wie „Ich spiele am Anfang mit und höre dann auf“, was in der Praxis nicht funktioniert. Wir spielten „ohni Günne und Verlüüre“, wobei diese Regel gern geändert wurde, wenn ihr Sieg offensichtlich wurde. Wir änderten Spielregeln, damit die Spiele spannend blieben, auch wenn es keine Sieger und Verlierer gab. Das klappte manchmal.

Meistens aber war es so, dass die perfekte Tochter zuschaute, wenn wir anderen Spiele machten. Und noch häufiger spielten der perfekte Sohn und ich, wenn sie gar nicht da war.

Der perfekte Sohn, der perfekte Ehemann und ich machen alle gern Spiele. Und wir verlieren alle nicht gern. Beim perfekten Sohn fliegen schon mal die Karten/Spielfiguren durch die Luft nach einer Niederlage, und ich kann durchaus stumm vom Spieltisch aufstehen und den perfekten Ehemann allein aufräumen lassen, wenn ich gegen ihn verloren habe (umgekehrt auch). Wir verstehen die Haltung der perfekten Tochter also sehr gut:

Verlieren ist doof. Verlieren tut weh. Verlieren frustriert. Mit Verlieren muss man erst mal fertig werden. 

Aber wir nehmen es in Kauf, denn es gibt ja auch das Gewinnen! Und den Spielpass an sich!

Ich habe keine Ahnung, was die perfekte Tochter zum Umdenken bewogen hat, aber am Heiligabend war es soweit: Sie sagte ja zu unseren beiden neuen Spielen und machte mit. Sie spielte weiter am Weihnachtstag, verkraftete tränenreich eine empfindliche Niederlage, und erklärte einige Tage später die neuen Spiele den Feriengspänli im Tessin. Auf deren neuen Spiele allerdings mochte sie sich nicht einlassen, da flüchtete sie sich wieder in die Rolle der Schiedsrichterin und rasenden Reporterin. Und eben – diese Woche spielten wir stundenlang an den Abenden, mit und ohne „Günne und Verlüüre“, je nach Spiel.

Ich freue mich sehr über diese Entwicklung! Ich freue mich, dass sie den Mut aufgebracht hat, ihre Haltung zu ändern und sich etwas zuzutrauen. Und ich freue mich über das Spielen an sich und die Zeit, die wir dabei miteinander verbringen.

Dazu mehr an den nächsten Januar-Freitagen, nun stelle ich noch die beiden Spiele vor, die die Wende brachten. Beides sind Spiele, bei denen Kinder und Erwachsene die gleichen Chancen haben und man sich als Eltern nicht künstlich zurückhalten muss.

 

Sau-Bande

Verlag: Ravensburger

Für 2-4 Spieler ab 4 Jahren

Reaktion, Action, Geschicklichkeit

2015-01-09 14.30.04 2015-01-09 14.31.25 2015-01-09 14.31.47

Die Schweinchen werfen sich die Schlammkugel zu, während ihre Mutter in der Badewanne sitzt. Aber Achtung – wenn sie aus dem Zuber auftaucht (also wenn der Timer abgelaufen ist), bestraft sie das Schweinchen, in dessen Feld sie die Schlammkugel sieht, mit einem „Wasch-dich!“-Kärtchen. Wer drei solcher Kärtchen hat, hat verloren, denn welches Schweinchen will schon sauber sein???! Zusätzliche Spannung bringen die drei rosaroten „Wasch-dich!“-Kärtchen: Wenn man ein solches bekommt, hat man die Chance, es mit etwas Geschicklichkeit wieder zurückgeben zu können.

(Auf den Seiten des Spielfelds werden Kartonränder befestigt, damit die Kugel nicht aus dem Spielfeld fliegt. Ich habe die für die Fotos weggelassen, damit man das Feld besser sieht.)

„Saubande“ ist ein rasantes Spiel, das schnell aufgestellt und gespielt ist, und Gross und Klein viel Spass macht. Das Frustrationspotential ist allerdings ziemlich hoch, da die Mutter IMMER im dümmsten Moment auftaucht (so gesehen ist es ein sehr lebensnahes Spiel :-)), und die Diskussionen, auf welcher Seite des Zauns die Kugel in dem Moment war, sehr lebhaft werden können !

 

Diego Drachenzahn

Verlag: Haba

Für 2-4 Spieler ab 5 Jahren

Geschicklichkeit, ein wenig Strategie, Konzentration

2015-01-09 14.32.32 2015-01-09 14.33.38 2015-01-09 14.33.58

 

Die Drachen spucken Feuerkugeln und müssen dabei ins richtige Fach treffen (welches das ist, gibt ein verdeckt gezogenes Kärtchen vor). Pro richtig getroffenes Fach können sie auf dem Spielfeldrand ein Feld nach vorne rücken. Doch auch die Mitspieler sind gefordert: Wenn sie erraten, in welches Fach die Kugeln hätten rollen sollen, rücken auch sie ein Feld vor. Offiziell ist das Spiel zu Ende, wenn alle Drachen dreimal am Zug waren, man kann aber gut auch länger spielen

Auch „Diego Drachenzahn“ ist schnell spielbereit. Es ist ein ruhiges Spiel, das von allen Spielern Aufmerksamkeit erfordert und gleichzeitig viel Grund zum Lachen gibt. Zum Beispiel über gelungene oder missratene „Pokerfaces“… Das Frustrationspotential ist klein, da die Mischung aus Glück und eigenem Zutun an Erfolg und Misserfolg sehr gelungen ist.

 

Viel Spass beim Spielen. Und beim Gewinnen. Und beim Verlierenlernen :-).

 

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Eine Antwort zu “Monatsmotto Januar „Spielen“: Verlieren ist doof! Und spielen trotzdem schön.

  1. 10.1.15: Ich habe den Text bezüglich Frustrationspotential der beiden Spiele ergänzt. Schliesslich tut verlieren nicht bei jedem Spiel gleich fest weh…

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