Mit ALLEN Mitteln gegen den Husten

Wir husten. Ich habe vor ungefähr sechs Wochen damit angefangen, dann stiegen die Kinder ein und seit kurzem macht der perfekte Ehemann auch mit. Wir husten in Varianten: Wir können trocken bellend oder schleimlösend. In kurzen Sequenzen oder langen Anfällen. Ab und zu bringt jemand von uns Aussenstehende dazu zu sagen: „Es gibt im Fall viele kalte Lungenentzündungen zurzeit…“ Die Kinder haben manchmal Fieber, meistens nicht. Es gibt Tage, da macht der Husten uns müde und unleidlich und andere, an denen es uns ganz gut geht. Manchmal melden wir uns krank, dann gehen wir wieder überall hin. Was gleich bleibt: Wir husten.

Kartoffelwickel. Solmucol. Ceres-Tropfen „Sambucus nigra“ (schwarzer Holunder). Schüsslersalz-Mischung gegen Erkältung. Hals-Wohl Pastillen. Grethers Pastillen. Heisser Holundersirup. Hustentee. Lindenblütentee (mit den Lindenblüten vom Baum neben dem Sandkasten). Auf die Nacht allerlei gegen Hustenreiz. Panadol. Algifor.

Alles durch. Alles hilft. Dem einen mehr das eine, der anderen mehr das andere. Aber nichts bringt uns dazu, gar nicht mehr zu husten.

„Jetzt langet’s mer denn!“, beschloss ich heute Morgen, getreu dem Sketch, den ich anfangs Dezember mitaufgeführt hatte. „Ich will sicher sein, dass wir keine Lungenentzündungen haben, die wir über Weihnachten an alle Verwandte und Bekannte verteilen! Und Scharlach würde ich auch gern ausschliessen.“

Der Kinderarzt hatte einen freien Termin. Um halb zwölf, was ein bisschen unglücklich war, da die perfekte Tochter dann noch in der Schule sein würde. Egal, dann bleibt sie heute halt nur bis um elf in der Schule!

Das Wartezimmer beim Arzt war voller Kinder und mindestens die Hälfte davon hustete, trocken oder schleimlösend, kurz oder in langen Anfällen. Das Wartezimmer wurde seinem Namen gerecht – wir hätten die perfekte Tochter gut bis um Viertel vor zwölf in der Schule lassen und erst nachher zum Arzt fahren können. Dem perfekten Sohn war langweilig, er ärgerte seine Schwester. Sie liess sich ärgern und weinte sich bei mir aus. Ich schimpfte und tröstete halbherzig. Schliesslich war es soweit, der Arzt hatte Zeit für uns.

Der perfekte Sohn hustete schleimlösend, die perfekte Tochter trocken. Beiden wurde Blut entnommen. Ihre Lunge wurde geröntgt, seine nicht. Unsere Bäuche knurrten. Das Röntgenbild zeigte kleine Auffälligkeiten, aber kein Vergleich zu einer ausgereiften Lungenentzündung. Gott sei Dank.

Aber – „Ich würde ihr trotzdem gern drei Tage lang Antibiotika verschreiben“, meinte der Arzt, „und ihm auch. Drei Wochen Husten sind einfach eine sehr lange Zeit. Sind Sie einverstanden?“

JA! Ja, ich bin einverstanden. Das nehmen wir auch noch!

Unterdessen war es 13 Uhr. Der Arzt entschuldigte sich für die lange Wartezeit. Die Praxisassistentinnen waren alle im Mittag. Der perfekte Sohn weinte, weil er trotz Blutentnahme nichts aus dem „Schublädli“ der Praxisassistentinnen auswählen durfte. Ich versprach ihm Pommes Frites im Restaurant und etwas zum Auslesen vom Kiosk. Der perfekten Tochter auch. Als dies alles erledigt war, kaufte ich mir einen neuen Lidschatten. Dann holten wir das Antibiotika aus der Apotheke und fuhren glücklich nach Hause.

Was man mit Müttern macht, die seit sechs Wochen husten, habe ich leider vergessen zu fragen (ausser dass man ihnen einen Lidschatten kauft – in möglichst hellen Farben). Ich kann ja dann den Rest vom Antibiotika austrinken…

 

Eine Antwort zu “Mit ALLEN Mitteln gegen den Husten

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