Monatsmotto Dezember „Geben und Nehmen“: Annehmen ist eine Kunst

„Geben und Nehmen im Dezember“ bestand diese Woche für mich zu einem grossen Teil darin, anzunehmen, was ungeplant auf mich zukam. Ein erkältetes, fieberndes Kind zum Beispiel, das nicht in den Kindergarten gehen kann. Viren, die sich langsam von meinen Bronchien verabschieden, um sich in meiner Nase niederzulassen. Wenig Programm und doch kaum Zeit für mich allein. Viel Gelegenheit, Kerzen und Duftlampe anzuzünden und mit einem heissen Tee am Küchentisch zu sitzen. Ein sonniger Morgen, der zu einem Spaziergang einlädt. Und natürlich jede Menge Bücher.

2014-12-12 13.42.13

In meiner Weihnachtsbücher-Schachtel habe ich das Buch „Weihnachten mit Henri Nouwen“ aus dem Verlag Herder (2000) wiedergefunden. Jeden Tag im Advent kann man einen oder zwei Texte des Autors lesen. Heute, am Freitag der 2. Adventswoche, steht ein Text, der beginnt mit „Annehmen fällt oft schwerer als geben.“ Ach? Das Thema kenne ich doch!

Gern nehme ich diesen „Zufall“ an und zitiere den Text von Henri Nouwen, der ursprünglich aus seinem Buch „Leben im hier und jetzt“ (Herder 1998) stammt.

 

Annehmen fällt oft schwerer als geben. Geben ist sehr wichtig: Einsicht geben, Hoffnung geben, Trost geben, Halt geben, Rat geben, Unterstützung geben, finanzielle Hilfe geben, vor allem uns selbst geben. Ohne Geben gibt es keine Brüder- und Geschwisterlichkeit.

Doch Annehmen ist ebenso wichtig, weil wir durch das Annehmen dem Geber deutlich machen, dass er ein Geschenk anzubieten hat. Sagen wir „Vielen Dank! Du hast mir Hoffnung gegeben“, so machen wir dem Geber bewusst, wie wertvoll uns seine Gabe ist. Es genügt oft schon ein Blick dessen, der empfangen hat, aus dem ein Gebender erkennt, dass es ein Geschenk war, das er überreicht hat…

Etwas anzunehmen ist eine Kunst. Sie bedeutet, einem anderen zu gestatten, Teil unseres Lebens zu werden und sich von einem anderen abhängig zu machen. Nur aus einem Gefühl inneren Friedens heraus können wir sagen: „Ohne dich wäre ich nicht der, der ich bin.“ Etwas annehmen zu können ist somit ein Zeichen von Demut und Liebe. Viele Menschen fühlen sich tief verletzt, wenn sie ein Geschenk machten, das nicht richtig angenommen wurde.

Lasst uns Menschen sein, die von Herzen annehmen können!

2014-12-05 09.51.03

Ich möchte mich in der Kunst des Annehmens – von Situationen, von Geschenken, von Worten, von Angeboten, von Gesellschaft,… – üben und offen sein für das, was mir angeboten wird.

2 Antworten zu “Monatsmotto Dezember „Geben und Nehmen“: Annehmen ist eine Kunst

  1. Bringt mich zum Nachdenken – ich dachte immer, dass ich gut annehmen kann. Ob ich dabei wirklich dem anderen das Gefühl gebe, eine wertvolle Gabe gegeben zu haben? Oder sage ich nur „Danke“ und der Fall ist „abgeschlossen“?

    Ich möchte auch offen sein für das, was mir angeboten wird und dies mit Freude entgegen nehmen. So viel Freude, dass der Gebende es selbst merkt, dass es eine wertvolle Gabe war.

    LG
    Petra

    • Liebe Petra, das ist genau der Punkt, an dem ich beim Weiterdenken auch hängen geblieben bin: Nicht „nur“ anzunehmen, sondern dem Geber zu zeigen, dass er mir etwas für mich Wertvolles geschenkt hat. Mich abhängig zu machen von ihm und seinem Geschenk. Gut, dass Weihnachtszeit ist und viel Gelegenheit, mich darin zu üben :-)!

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