Entlarvt: Das Ende der Zahnfee

Heute Abend nach dem Znacht war es soweit. Die perfekte Tochter wagte sich bis zur endgültigen Frage vor: „Besch DU d’Zahnfee?“

Sie zweifelte schon länger. Erstens kann es doch nicht sein, dass die Fee ihrer Freundin so viel mehr schenkt als ihr und zweitens glauben eigentlich nur kleine Kinder an Feen. Grosse wissen, dass es anders sein muss. Allerdings kann es nicht das Mami sein, das ihr die Steine unters Kopfkissen legt, denn das hat keine so schönen Steine. Ein Trick wäre, einen Zahn unters Kissen zu legen, ohne den Eltern etwas davon zu sagen. Dazu bräuchte man aber endlich wieder einmal einen Wackelzahn! Sie zweifelte, sie wunderte sich, sie legte uns das Problem lang und breit dar und vermied doch immer eine Antwort von uns. Bis heute Abend.

„Willst du wirklich eine ehrliche Antwort?“, fragte ich nachdrücklich.

„Jo!“

„Ja. Ich bin die Zahnfee.“

Ich hab’s gesehen. Das Leuchten, das in ihren Augen erlosch. Die Magie, die entschwand. Die Ernüchterung, die eintrat.

Es tat mir leid. Nicht dass ich ehrlich gewesen war, auch nicht, dass ich vorher an der Fantasiewelt mitgebaut hatte. Aber dass der Schritt jetzt gemacht war. Endgültig.

„Du bist so ehrlich?“, fragte der perfekte Ehemann.

„Ja. Wenn ich so direkt gefragt werde, bin ich ehrlich“, antwortete ich und merkte erst jetzt, dass ich dem perfekten Sohn die Antwort geliefert hatte, ohne dass er gefragt hatte. „Entschuldige“, sagte ich zu ihm, „jetzt weisst du es schon.“ – „Das isch scho guet!“, sagte er mit Nachdruck und ich glaube es ihm. Er ist der Typ, dem es lieber ist, wenn die Mutter unter seinem Kissen herumgrübelt statt einer fremden Fee! Wenn dann mal ein Zahn rausgefallen ist.

 

„Aber“, meinte die perfekte Tochter, „wo hesch du denn die Stei här?“

„Aus dem Himmelrych.“ (Einem Laden, der hält, was der Name verspricht!)

„Aber wenn hesch du die kauft, ohni dass ich ’s gmerkt ha?“

„Das erste Mal warst du tatsächlich nicht dabei. Aber das zweite Mal hast du es eigentlich gemerkt!“

Sie überlegte und plötzlich – war das Leuchten in den Augen wieder da!

„JO! Denn wo du die chli Schatztrueh kauft hesch!“ Ich nickte und sie lachte glücklich.

„I ha gfrogt, för was du die Stei bruuchsch und du hesch gseit för de.“

„Ja? Habe ich nicht gesagt zum Verschenken?“

„Nei! Du hesch gseit för de!“, kicherte sie.

Das Geheimnis mag entzaubert und die Zahnfee entlarvt sein – aber dem Mami einen kleinen Bschiss nachweisen zu können und wieder ein Stück mehr zu den Grossen zu gehören, das ist auch eine schöne Sache!

 

Und ich? Mir geht es wie bei jedem der sichtbaren Schritte, die meine Kinder machen: Ein bisschen Wehmut, ein bisschen „habe ich sie richtig begleitet?“, ein bisschen Stolz und viel Zuversicht, dass sie auf einem guten Weg sind.

Zudem: So richtig wohl war es mir ja nie mit diesen Feen!

Die perfekte Tochter und die Zahnfee

Die Feen, die ich rief

2014-12-11 20.01.24

5 Antworten zu “Entlarvt: Das Ende der Zahnfee

  1. Ich kenne das mit der Zahnfee erst seit ein paar Jahren. Als ich klein war, gab es das noch nicht. Bin mal gespannt wie es uns ergehen wird. Ob wir die Zahnfee aufleben lassen oder nicht. Lg Petra

  2. Wisst ihr, es ist so (laut der perfekten Tochter): Es gibt die Zahnfee schon! Einfach die mit den Steinen unter dem Kopfkissen – das war das Mami. 🙂
    Ich liebe das magische Alter…

  3. Wir konnten diese Feenwelt bisher immer ganz gut einsetzen – die Nuckis hat unsere Tochter mit 2,5 dem Nikolaus gegeben der bei uns sogar nach Hause kam “für die kleinen Kinder die die Nuckis dringender brauchen”. Im Gegenzug gabs ein Geschenk. Es gab nie wieder Genöle über fehlende Schnuller.

    Deswegen bin ich eher für Unehrlichkeit, Verschweigen ist ja nicht Lügen 😉.

    Unsere Tochter entschwebt nachts immer ins Feenland, als sie krank war und nachts schweißgebadet aufwacht, sagte sie als erstes: ich bin heute nichts ins Feenland gereist, damit ich niemanden anstecke….

    Mehr solchen Kindermund findet ihr auch unter http://www.kinderspruch.com

    • Nicht immer die ganze Wahrheit sagen, mitmachen, miträtseln, usw. – dafür bin ich auch! Die Frage „Gibt es das Feenland?“ beantworte ich nicht mit nein, sondern gebe zu, dass ich es nicht weiss. Bei einer hartnäckigen Fragerin kann ich auch sagen: „Okay, ich glaube nicht, dass es das Feenland gibt. Aber wissen tue ich es nicht.“ Wenn ich aber direkt gefragt werde, ob ich es war mit den Steinen (dem Osternest, dem Samichlaussäckli,… ich bin unterdessen komplett enttarnt!), dann ist mir Ehrlichkeit wichtig. Möglicherweise ist ein „darauf gebe ich dir keine Antwort“ passend, aber manchmal ist auch einfach der Zeitpunkt für ein klares Wort. Ich finde es ganz wichtig, dass meine Kinder wissen, dass sie sich auf mein Wort verlassen können. lg und danke für den Link, Mirjam

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