Mein Nein zu „Holt die Hausfrauen hinter dem Herd hervor!“

Hallo! Hallo? Psst – hier bin ich! Ja, genau, hier hinten – hinter dem Herd!

Warum ich hinter dem Herd bin? Ja, weil mich niemand hervorgelockt hat. So schnell lass ich mich da auch nicht hervorlocken, ich Hausfrau, ich. Da bräuchte es schon „erschwingliche Kindertagesstätten für alle, umfassende Betreuungsangebote für Schulkinder auch während der Ferienzeit“ und überdies „in grosszügigerem Ausmass die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit“.

Genau so und nur so werde ich mich zusammen mit „50 000 Hausfrauen mit akademischem Abschluss hinter dem Herd hervor- und ins Erwerbsleben hinauslocken“ lassen! Zum Wohle unserer Wirtschaft, die seit dem 9. Februar 2014 gewisse Engpässe voraussieht und daher gezwungen ist, es „ernsthaft mit dem einheimischen Personal zu versuchen“. Aber eben – dazu müsste das Personal erst mal hinter dem heimischen Herd hervorgelockt werden.

 

Liebe Personalrekrutierer und Journalisten, ich möchte dazu ein paar Dinge sagen:

  • Ich stecke nicht hinter dem Herd (dort habe ich auch gar keinen Platz). Tatsächlich kümmere ich mich unter anderem um Küche, Haus und Garten und verrichte viele Tätigkeiten, die nicht direkt mit meinem beruflichen Abschluss zu tun haben. Ich erziehe unsere Kinder und biete Ihnen ein sicheres Zuhause, in dem sie sich wohlfühlen und entfalten können. Ich öffne unser Haus und seine Atmosphäre für die Freunde und Freundinnen meiner Kinder und oft auch für ihre Mütter. Ich setze Zeit, Energie und Fähigkeiten (u.a. solche aus meiner Ausbildung) für Aktivitäten im Dorf ein. Ich unterstütze das lokale Gewerbe. Wirklich – mein Leben als Hausfrau ist keine verkümmerte, wertlose Existenz hinter dem Herd.
  • Ich will nicht hervorgelockt werden. Ich will zusammen mit meinem Mann entscheiden, wer von uns seine beruflichen Fähigkeiten wo und wann einsetzt. Wir lieben beide unsere Berufe und wir führen immer wieder harte Verhandlungen, dabei ging es aber noch nie darum, dass unsere Stellen dringend von einheimischem Personal besetzt werden müssen. Nein, wir ringen darum, wie wir die Aufgaben, die wir als Eltern und Bürger haben, mit unseren beruflichen Vorstellungen und Wünschen vereinbaren können. Finanzielle Überlegungen gehören natürlich dazu.
  • Die Ideen mit den erschwinglichen Kindertagesstätten, der Ferienbetreuung und der Teilzeitarbeit unterstütze ich voll und ganz. Sie würden die freie Entscheidung erleichtern.

 

Liebe Mütter, ich hoffe, ihr versteht mich nicht falsch. Ich sage nicht, dass berufstätige Mütter ihren Kindern kein sichereres Zuhause bieten und dass fremdbetreute Kinder sich nicht gesund entfalten! Ich WEISS, dass das nicht so ist. Ich weiss aber auch, dass die Berufstätigen unter euch, die ich kenne, sich nicht von irgendwem hinter dem Herd haben hervorzerren lassen, sondern dass ihr euch dieselben oder ähnliche Gedanken macht wie wir, und euch einfach anders entschieden habt.

Ich kritisiere die Berufstätigkeit von Müttern nicht – ich strebe sie ja selber wieder an -, aber ich wehre mich gegen das Bild der Hausfrau hinter dem Herd, die von der Wirtschaft mit „Zückerchen“ hervorgelockt werden muss, damit sie endlich wieder etwas Sinnvolles macht! Das ist überheblich und schlicht und einfach falsch.

 

Die Zitate stammen aus einem Artikel zur Ablehnung der Ecopop-Initiative aus der „Aargauer Zeitung“ vom 1. Dezember 2014: „Dieses Nein ist eine Verschnaufpause, mehr nicht“

Abgesehen von der unsäglichen „Hausfrau-am-Herd“-Formulierung gefallen mir die Gedanken des Journalisten ganz gut.

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2 Antworten zu “Mein Nein zu „Holt die Hausfrauen hinter dem Herd hervor!“

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