’s Znüni

Ich, frühmorgens in der Küche stehend: „Was möchtest du zum Znüni mitnehmen? Es hat Darvida, Rüebli, Gurken, Zwetschgen, flache Pfirsiche, Bananen und – Moment mal – doch, Äpfel.“

Kind, am Frühstückstisch: „…“

Ich: „Hallo! Was möchtest du zum Znüni mitnehmen?“

Kind: „Was het’s?“

Ich: „Darvida, Rüebli, Gurken, flache Pfirsiche, Äpfel und Bananen.“

Kind: „Ich wott Tomätli!“

Ich: „Hat es nicht. Es hat – eben, das was ich gesagt habe.“

Kind: „Also guet, denn nehm ich halt – Gurke, Rüebli, flachi Pfirsich, Zwätschge und Darvida!

Ich: „Das geht nicht, das ist zuviel. Also Darvida. Thymian oder Käse? – THYMIAN ODER KÄSE????!“

Kind: „Was? Darvida! Ääh – Chäs.“

Ich: „Und welche Frucht oder Gemüse?“

Kind: „Was het’s`?“

Ich: „Das Gleiche wir vorher! Ich packe dir Rüebli ein.“

Kind: „Nei. Flachi Pfirsich. Und Chäs-Darvida!“

Ich: „Gut. Willst du den Pfirsich geschnitten oder ganz?“

Es ist absurd, ich weiss. Warum spiele ich hier Starbucks-Verkäuferin, statt dass ich meinem Kind einfach einen Apfel einpacke? Wäre doch für alle einfacher. Zwei Gründe fallen mir ein, warum ich die Fragerei durchziehe: Erstens öffne ich am Mittag nicht gern ein Znüniböxli, in dem eine angebissene, zermanschte, offensichtlich verschmähte Frucht liegt, die ich in den Kompost werfen muss, und die Chance, das dies passiert, ist wesentlich kleiner, wenn das Znüni vom Kind ausgewählt wurde. Zweitens mag ich diese Entscheidung nicht für mein Kind treffen, es ist sein Znüni und ich muss schon immer entscheiden, was es zum Zmittag gibt. Deshalb spielen wir das Spiel durch, jeden Morgen zweimal (denn das zweite Kind fragt genau gleich oft „was het’s?“, obwohl es das erste Gespräch mitgehört hat). Das Angebot ist natürlich nicht immer gleich gross, was die Sache aber nur unwesentlich erleichtert, denn damit erhöht sich die Chance, dass es genau das nicht hat, was genau heute unbedingt gewünscht wäre.

Ein klassicher Fall von Luxusproblem in einer Luxusgesellschaft. Ich halte jeden Morgen einen Moment inne und frage mich, was ich meinen Kindern eigentlich weitergeben möchte zu den Themen Überfluss und Genügsamkeit. Um mich schliesslich jeden Morgen seufzend zu ihnen umzudrehen und wieder zu fragen: „Was möchtest du zum Znüni mitnehmen?“

6 Antworten zu “’s Znüni

  1. Natürlich habe ich GENAU HEUTE so eine zermanschte, angebissene Frucht aus dem Znüniböxli gefischt!!! Der flache Pfirsich konnte die Erwartungen des perfekten Sohns leider nicht erfüllen – dafür hat er dann vor dem Zmittag noch schnell vier Zwetschgen gegessen. Ob ich es morgen doch einmal mit „einfach Einpacken“ versuchen soll?

    • ich merke grad, wie einfach es ist, dass unser perfekter sohn grundsätzlich nur rüebli oder apfel mag – und das meistens in phasen – wahlweise mit darvida, pancroc oder maiswaffeln (und dieser entscheid ist offenbar leicht für ihn, oder er wünscht sich „e überraschig“). meine frage lautet in einem gutgelaunten moment deshalb öppe mal in einer rüebli-phase: möchtest du zur abwechslung mal ein rüebli mitnehmen? das finden wir meistens sehr lustig und er antwortet: nein, ich nehme doch lieber wieder mal ein rüebli mit. monokultur beim z`nüni.

      • Ja, so ein perfektes Rüebli-Kind hatten wir auch mal ein Jahr lang! Fand ich sehr praktisch und familienfreundlich. Der Humor deines Sohnes gefällt mir 🙂 (und deiner sowieso…).

  2. Jetzt hab ich endlich gelernt was „Znüni“ heißt : → Ich glaube, manchmal sind die Kinder mit dem Aussuchen wirklich überfordert. Aber wegschmeißen ist auch doof.

    • Hallo Marlene, willkommen! Jetzt wo ich es selber lese, merke ich, dass die Auswahl wirklich eine Überforderung ist. Ich sollte mich wohl beim Einkaufen einschränken oder nur die Hälfte der vorhandenen Sachen erwähnen.
      Oh, da hast du aber ein wichtiges Wort gelernt :-). Am Nachmittag heisst es dann übrigens „Zvieri“.

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