Das fängt ja gut an

Die allerersten Hausaufgaben der perfekten Tochter. Fünfmal liest sie mir die Sätze um TIMI, TOMI und OMI vor. Super Leistung für eine Erstklässlerin am ersten Schultag, oder (ich meine: das het sie guet gmacht, oder?)? Auf der oberen Hälfte des Blattes stehen die drei Wörter noch ein paar Mal in beliebiger Reihenfolge. „Liest du mir die auch noch vor?“ – „Nei.“ – „Aber da steht obendran ‚lesen’.“ – „Die müemmer ned.“ – „Lies sie mir doch trotzdem vor, du kannst es doch so gut.“ – „Nei. D’Lehreri het gseit, die müemmer ned.“ – „Aber…“ Aber es würde mich doch sooooo interessieren, ob du sie wirklich lesen kannst oder ob du einfach die Sätze auswendig kannst! „Liebe Eltern“, so pflegte die perfekte Mutter in ihrem Leben als Erstklasslehrerin zu sagen, „streitet nicht mit euren Kindern wegen der Hausaufgaben, sondern vertraut ihnen. Die Hausaufgaben sind eine Sache zwischen dem Kind und mir, wir regeln das schon.“ Aber… „Liebe perfekte Mutter“, sagt eine Stimme in meinem Kopf, „sei einfach still. Die Lehrerin deines Kindes wird ihm perfekt lesen lernen, falls du es schaffst, dich rauszuhalten.“ Aber… „Also gut“, sage ich, „dann liest du es mir nicht vor. Es sind deine Hausaufgaben.“ Leider kann ich mir nicht verkneifen anzufügen: „Aber ich finde es schade.“ Ich hoffe, ich werde es noch lernen, schliesslich hat meine Karriere als Schulkind-Mami erst gerade angefangen.

Genauso wie die Schulkarriere meiner Tochter, die das alles wunderbar locker nimmt und beschlossen hatte, den Papi als Begleiter für den ersten Schultag mitzunehmen (nicht, weil die Mutter ihr zu hysterisch gewesen wäre, sondern weil die schon an den Elternabend hatte gehen dürfen. Das Leben soll fair sein.). Sie gingen also los heute Morgen, seelenruhig, und kamen auch so wieder zurück. Zufrieden, glücklich, unaufgeregt. Ja, das hat wirklich gut angefangen!

3 Antworten zu “Das fängt ja gut an

  1. Hier folgt eine lehrerhafte Belehrung des Alt-Lehrers an die Lehrerin-Neu-Schulkind-Mami:
    Immer diese Befürchtungen, die könnten das ja einfach auswendig. Natürlich können sie es auswendig nach mehrmaligem Lesen. Die sind ja nicht blöd, die Ersklässlerinnen und Erstklässler. Aber was machen sie denn wirklich: Sie schauen ein Wort oder einen Satz als ganzes an und erinnern sich wieder, was es/er heisst. Das nenne ich Lesen!! Das machen wir genau so, nur mit einer grösseren Menge von Wörtern.
    Im Übrigen: Wir freuen uns bodenmässig, dass der Schulstart gelungen ist. Wir waren schon auch ein bisschen kribbelig darauf hin.

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