Mami wird selbstständig

Natürlich war es ein Risiko, ohne meinen persönlichen Scanning-Assistenten einkaufen zu gehen. Aber daran muss ich mich gewöhnen, schliesslich steht er mir ab Mitte August nicht mehr an jedem Halbtag zur Verfügung, sondern muss seine Verpflichtungen als Kindergärtler wahrnehmen. Übungshalber ging ich heute schon mal ohne ihn in den Grossverteiler und schnappte mir meinen Scanner selber.

Zuerst ging alles gut. Ich dachte an ihn, als ich den Laden nach Aktionen absuchte, verkniff es mir aber, jedes Mal laut „en Akzi!“ zu schreien. Ich wühlte in Ruhe durch den Wühltisch mit den Aktions-Haarspangen, um die perfekte Tochter bei ihrem Ich-lass-mir-die-Fransen-wachsen-Projekt zu unterstützen (resp. um ihre Lehrerin dabei zu unterstützen, ihr Gesicht auch kennen zu lernen und nicht nur ihre Haare). Ich kaufte mir – da ich so herrlich unbeobachtet war – einen neuen Nagellack. Ich machte ein ungestörtes Ründeli durch die Kinderkleider- und Spielzeugabteilung. Ab und zu vermisste ich meinen Assistenten schon. Immer dann, wenn ich mit einer Hand eine Etikette glätten musste und mit der anderen scannen sollte – er hätte mir jeweils nachsichtig lächelnd den Scanner aus der Hand genommen, souverän gescannt und kopfschüttelnd gesagt: „I cha das viel besser als du, Mami!“

Schliesslich kam ich an die Zahlstation. Bezahlen kann ich gut und es ging auch problemlos. Vergnüglich schob ich meinen Wagen weiter, da – BIBIBIBIP!!! Die Lichtschranken links und rechts von mir blinkten und ich machte vor Schreck samt Wagen einen Rückwärtssprung. Danach schaute ich mich hilflos um. „Sie kommt!“, beruhigte mich eine Verkäuferin, die an einer der noch bedienten Kassen sass. „Sie“ war eine andere Verkäuferin, die ich bisher als sehr freundlich und kompetent erlebt hatte. „Ich habe keine Ahnung, was ich nicht gescannt habe“, sagte ich zu ihr und schaute hilflos auf meine Einkaufstaschen. Nein, ich erzählte ihr nicht, dass ich eben das erste Mal ohne meinen Assistenten unterwegs war und das deshalb kein Wunder war! „Gönd sie mol elei dure“, sagte sie und ich schaute sie verständnislos an. „Gönd sie mol ohni Wage dur d’Schranke.“ Ja klar, es hätte ja sein können, dass ich mir die Aktions-Spängeli ungescannt direkt in die Haare gesteckt hätte! Hatte ich aber nicht und es piepste nicht, als ich die Schranke passierte. „Und jetzt chum ich mit em Wage“, sagte die nette Dame, stiess meinen Einkaufswagen durch die Schranke und – es piepste nicht. „E schöne Tag“, lächelte sie und ich bedankte mich überschwänglich. Einmal mehr hatte sie sich als kompetent und freundlich erwiesen und ich dachte stolz, dass ich es doch gar nicht so schlecht hingekriegt hatte, das mit dem allein einkaufen!

2 Antworten zu “Mami wird selbstständig

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