Monatsmotto Pause: Bremsbereitschaft

Unser Quartier ist seit einiger Zeit Tempo-30-Zone und es gilt Rechtsvortritt. Wenn ich also mit dem Auto nach Hause fahre, mache ich mich mehrmals innert weniger Meter bremsbereit, wie ich es in der Fahrschule gelernt habe. Manchmal geht es mir auch wie dem perfekten Sohn, der mir kürzlich bei einer Ausfahrt, die er mit dem Velo etwas schwungvoll genommen hatte, erklärte, da sei sowieso noch nie ein Auto gekommen, da müsse er nicht anhalten. Bei meinen Rechtsvortritten ist glaub auch noch nie eins gekommen. Aber gestern schon. Da stand mir plötzlich der „Päcklipöstler“ mit seinem Lieferwagen vor dem Auto und ich war froh, dass mein Fuss auf Bremsbereitschaft war.

Genau diese Bereitschaft zum Bremsen fehlt mir im täglichen Leben, dachte ich auf der weiteren Heimfahrt. Ich teile mir meine Tage schön ein, ich plane Ruhepausen ein, ich verschiebe Aufgaben auch gern mal spontan – aber immer dann und so, wie es mir gelegen kommt. Plötzliches Bremsen, das mir von aussen aufgezwungen wird, das mag ich gar nicht. Und wenn mir nicht gerade ein Lieferwagen (z.B. in Form einer Migräne) vor der Nase steht, ignoriere ich die Notwendigkeit zum Bremsen gern und fahre einfach ein kleines Bögli ums Hindernis.

Schmerzen in den Handgelenken haben mich in den letzten Tagen und Wochen immer wieder zum Bremsen gezwungen. Ich tat es ungern und gab Gas, sobald es möglich war. Ich erwartete von meinen Gelenken, dass sie mit einer kleinen Pause zufrieden sind und sich nachhaltig beruhigen. Als sie dies nicht taten, ging ich zum Arzt und hoffte, er würde mir eine zackige Diagnose stellen und das passende Heilmittel verschreiben. Als er dies nicht konnte und nur eine Vermutung äusserte und weitere Abklärungen verordnete, kam mir langsam der Verdacht, dass ich auf Bremsbereitschaft umschalten müsste. Dass da in nächster Zeit ab und zu ein Lieferwagen stehen könnte, der mich zum Anhalten zwingen würde. Und dass er mir eventuell länger im Weg stehen würde als der schnelle Pöstler.

 

Das macht mir Angst. Ich will nicht ausgebremst werden, ich will die Kontrolle über meine Zeit und Energie behalten, ich will sinnvoll beschäftigt sein und mich nützlich fühlen. Ich spüre einen Druck zu funktionieren und etwas zu liefern. HALLO? Was lauert denn da??? Ist es tatsächlich der Anspruch, PERFEKT meinen Ansprüchen genügen zu müssen? Will ich tatsächlich wieder einmal und immer noch das perfekte Mami, die perfekte Familienfrau sein? Stopp!

 

002 - Kopie

Ich mache diesen Monat Pause. Pause von meinen Ansprüchen, Pause vom Leistenwollen, Pause vom Müssen. Das passt zum Ferienmonat Juli und das passt zu meinen Lieferwagen-Gelenken. Ob und wie ich das Motto hier im Blog bearbeite, weiss ich noch nicht, denn ich mache auch Pause vom Planen (ausser es geht um unseren Sommerurlaub!).

 

P.S. Auch auf dem wertvoll-blog von Sonja gibt es ein neues, dieses Mal kulinarisches Monatsmotto und hier bietet sie die Gelegenheit, Werbung zu machen für das eigene Monatsmotto.

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2 Antworten zu “Monatsmotto Pause: Bremsbereitschaft

  1. Päcklipöstler – sehr süß! Ein tolles Motto hast du dir ausgesucht!
    Ja, das könnte ich mir auch mal vornhmen! Bremsbereitschaft klingt gut!
    Toll, dass du dabei bist!

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