Monatsmotto Achtsamkeit: Keine Zeit und Achtsamkeit?

Übers Wochenende eine Party nach der anderen feiern und zweimal durch die halbe Schweiz fahren (ich weiss, liebe deutsche Leserinnen, für euch sind das keine Distanzen, aber für mich schon!). Danach drei Tage ohne den perfekten Ehemann sein und während der Zeit einen Elternabend besuchen, mit einem Kind zum Coiffeur gehen, beim anderen einen Ausschlag feststellen, der Gott sei Dank kein Scharlach ist, eine Kinderparty vorbereiten, Tageskinder betreuen, Deutsch für Kinder erteilen, einen Geburibesuch zum Zvieri und Znacht empfangen, ein Kind, das just vor dem Schlafengehen noch zwei Traubenzucker genascht hat, verarzten, weil es sich beim Herumhüpfen auf dem Bett verletzt hat. Dann kommt der Ehemann zurück und hat ganz viel zu erzählen, ich auch, ein Kind hat Physiotherapie, das andere macht einen Besuch bei seinen zukünftigen Lehrerinnen und am nächsten Tag bei der Feuerwehr und kaum jemand kommt irgendwann in dieser Woche wirklich zur Ruhe.

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Das Monatsmotto ist Achtsamkeit. Ich möchte achtsam mit meiner Zeit und meiner Energie umgehen und mir Gedanken machen darüber. Ich möchte dem Thema nachspüren. Schwierig, dies irgendwann zwischen Elternabend und Kindergeburtstag auch noch zu tun.

Und doch hat mich die Achtsamkeit begleitet diese Woche, nicht als theoretisches Nachdenken sondern als praktische Übung.

 Achtsam zu sein heisst, sich dessen bewusst zu sein, was jetzt gerade passiert.

Diesen Satz las ich im Blog von 8same und ich habe gemerkt, dass das auch in hektischen Zeiten geht. Ich wurde mir immer wieder bewusst, dass gerade zuviel läuft und schraubte einen Gang hinunter. Ich wurde mir mehrmals bewusst, was mit meinen Gefühlen passiert und konnte dies den Kindern rechtzeitig mitteilen und sie um Rücksicht bitten („Liebe Kinder, ich merke gerade, dass ich nicht mehr hören kann ‚ich will…’. Wenn ihr etwas wollt, sagt das bitte anständig und mit einem ‚bitte’, sonst werde ich hässig.“ Hat super geklappt, einen ganzen Nachmittag lang!). Ich genoss sehr bewusst die ruhigen Momente, z.B. wenn ich im Garten sass, es dunkel wurde und die Kinder doch noch eingeschlafen waren. Ich genoss die geselligen Momente, ganz speziell den Nachmittag mit dem perfekten Meitli-Gotti und seinen Kindern, aber auch die kurzen Gespräche mit anderen Eltern am Elternabend. Ich blieb bei meinem Vorsatz der letzten Woche, hörte meinen Kindern aufmerksam zu und bestand darauf, dass sie mir zuhörten, wenn ich etwas sagte. Ich genoss die Kuschelzeiten mit dem perfekten Sohn und beendete sie, wenn ich merkte, dass ich wieder aktiv werden wollte. Ich zuckte mit den Schultern und entschuldigte mich, wenn mir bewusst wurde, dass etwas schief gelaufen war.

 

Und am Ende der Woche – nach der Party – nachdem vier Feen zufrieden nach Hause geflogen sind und drei noch hier sind und das Lego-Friends-Geschenk zusammen bauen, kann ich sagen: Es war eine strenge Woche und ich freue mich auf das ruhige Wochenende. Es war aber auch eine gute Woche, auf die ich zufrieden zurück blicke.

P.S. Auch Sonja hat heute über Achtsamkeit im Alltag gebloggt.

2 Antworten zu “Monatsmotto Achtsamkeit: Keine Zeit und Achtsamkeit?

  1. Liebe Mirjam, toll, dass du dich bewusst entschieden hast, dem Thema „Achtsamkeit“ nachzuspüren und schön, dass du uns an deinen Erfahrungen damit teilhaben lässt! Diese kleinen Dinge sind entscheidend. Sich ab und zu einen Moment Zeit zu nehmen und zu schauen, bin ich fröhlich, bin ich traurig… wenn man dann nicht wertet, dann spürt man auch, dass Gefühle wichtige Gäste sind, die es wert sind, wahrgenommen zu werden. Gäste gehen auch wieder, einer nach dem anderen, oder kommen wieder. Streiten wir uns mit ihnen oder verachten sie, dann bleiben sie vielleicht länger als uns lieb ist (z.B. Ärger, Wut, Scham…) und bestreiten ein Kämpfchen. Die östlichen Kulturen halten es für ganz normal, dass nicht nur Glück, sondern auch Leid zum Leben dazugehört… Seine Grenzen zu kennen, wie du es beschreibst, ist eine sehr wertvolle Erkenntnis. Dein Blog ist übrigens durch seine sprachliche „Heimatfärbung“ sehr authentisch zu lesen… gefällt mir.
    Liebe Grüße! Sabine

  2. Pingback: Achtsamkeit – Monatsthema Juni | Fundstücke aus dem Internet·

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