Im Reich der Feen

„Als ich ein Kind war, hat es noch keine solchen Partys gegeben!“, meint die resolute Verkäuferin im Haushaltwarengeschäft, die mit mir vor dem Gestell mit den Guetzliförmli steht und Motive für die morgige Feenparty sucht. „Bei mir auch nicht“, antworte ich und sie meint: „Nicht? Also bei mir gab es höchstens e Chlapf a Grind.“ Da kann ich nicht mithalten, dafür finde ich ein Engelförmli, das mit ein bisschen Fantasie sehr gut als Fee durchgehen kann. „Wissen Sie“, sage ich beim Bezahlen, „es ist gar nicht so, dass sich das Geburtstagskind das alles wünscht. Aber seit ich angefangen habe, die Party zu planen, kommen mir immer mehr Ideen! Ich bin es, die Spass daran hat!“ Die Dame lächelt und ich glaube, in dem Moment verstehen wir uns.

Dann ab in die Papeterie, um Papier zu kaufen für die Feenflügel und Bostitch und „dieses Folienpapier, das durchsichtige, das so Farben hat – ääh nein, nicht so, es müsste auf einer Rolle sein – irisierend? Ja, vielleicht ist es irisierend… Ja! Das!“. Im Spielwarengeschäft ergattere ich einen Block mit Mandalas, für die ruhigen Feen, die sich zwischendurch mal ein bisschen mit sich selber beschäftigen möchten.

Zuhause fange ich die Geburtstagsfee ein, backe mit ihr einen Schmetterlingskuchen (ja, in der Feengeschichte wird ein Schmetterling vorkommen und nein, die resolute Dame hatte auch kein Schmetterlingsförmli) und probiere mit ihr unsere Feen-Tenues für morgen an. Wie gut, dass ich einen totalen Ricardo-Fehlkauf gemacht habe, das grüne Flatterkleid macht mich zur perfekten Feld-, Wald- und Wiesenfeenmama! Papa und Bruder weigern sich übrigens, Feeriche oder so zu werden und werden das Motto auf ihre Art interpretieren.

Ich meine, nun ist alles bereit. Ausser dem Feenhaus natürlich, das in unserem Garten entstehen soll, aber das muss kurzfristig geschehen und wird ein bisschen Improvisation verlangen. Ach ja, und der Schatz muss noch eingepackt werden und die Hauptfee muss mir noch sagen, ob Feen Kinderwein trinken an ihren Partys. Und… Und ich hätte noch so viele Feenideen und ich werde trotzdem so froh sein morgen, wenn sie alle wieder nach Hause flattern, hoffentlich glücklich und zufrieden.

Und eigentlich hätte ich die Verkäuferin an die Party einladen sollen, sie hätte mit ihrem schwarzen Kleid und den schönen, langen, grauen Haaren eine wunderbare Seniorfee abgegeben. Aber vielleicht gönnt sie sich ja an ihrem nächsten Geburtstag ihre eigene Party!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s