Von Flügeln und Fittichen

Jetzt habe ich doch eben noch geschrieben, wie stolz ich bin auf unseren Fast-Kindergärtler und unsere Beinahe-Erstklässlerin. Wie zuversichtlich wir alle sind und – was ich zwar nicht geschrieben, aber sicher gedacht habe – wie schön es ist, dass die Flügel der Kinder wachsen und sie lernen, immer weitere Kreise zu ziehen.

Doch gestern, als ich im zukünftigen Klassenzimmer der perfekten Tochter sass und ihre beiden Lehrerinnen mir und den anderen Eltern erklärten, wie das so laufen werde nach den Sommerferien – da wurde mir plötzlich bewusst, welch grosser Schritt der Schuleintritt ist! Ein Schritt hinaus ins Leben, weg vom Familiennest in ein Umfeld voller Anforderungen, Erwartungen und Bewertungen. Voller Einflüsse und Aufgaben, die an die Kinder herangetragen werden, ohne dass die Eltern dabei sind und ihre eigenen Einflüsse geltend machen können. Da sind so viele Stolpersteine im Schulalltag, während der Schulkarriere. Schulische, soziale, emotionale. So viele Möglichkeiten, irgendwo aus dem vorgesehenen Schublädli zu kippen, anzuecken, nicht zu genügen. So viele Gefahren für mein Kind!

Ja, ich weiss: Alles halb so wild! Es ist die Glucke in mir, die so denkt. Die ruft: „Schnell, breite deine Fittiche aus und nimm das Küken darunter. Es kann doch noch nicht ohne dich sein! Es wird doch bestimmt gefressen werden in dieser grossen, bösen, weiten Welt.“ Ich weiss natürlich, dass meine Tochter bereit ist für die Schule, ich habe mich gestern wohl gefühlt im Schulzimmer und mit den beiden Frauen und bin zuversichtlich, dass es der perfekten Tochter auch so gehen wird. Ich weiss, dass alles gut ist. Ich möchte ja sogar am liebsten mitgehen in die 1. Klasse, weil ich Unterstufenkinder so gern beim Lernen begleite. Ich weiss, dass alles gut ist.

Aber genauso wie die Flügel der Kinder wachsen müssen, müssen die Fittiche der Mütter wohl lernen loszulassen. Und deshalb flattere ich jetzt ein bisschen hysterisch herum.

Eine Antwort zu “Von Flügeln und Fittichen

  1. Liebe Mirjam
    Dieser Artikel gefällt mir und ich verspreche euch, dass ich am Montag, de 11. August an das hysterische Flattern der Mütterfittiche denke. VIel Glück (das braucht es nämlich auch noch: 🙂
    Bea

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