Monatsmotto Achtsamkeit: Zuhören und gehört werden

Heute kommt mein Beitrag zur Achtsamkeit schon am Donnerstag, weil ich morgen keine Zeit haben werde zum Bloggen.

4012f-logomonatsmotto

Ich bin beim Thema „achtsam zuhören“ geblieben diese Woche. Dabei habe ich gemerkt, dass sich Achtsamkeit schlecht in einzelne Bereiche teilen lässt. Wenn ich achtsam zuhören will, möchte ich auch, dass mir achtsam zugehört wird. Dafür muss ich selber achtsam mit meinen Worten umgehen. Dafür wiederum muss ich achtsam SEIN. Um achtsam zu sein, muss ich… Ja, was denn? Vielleicht komme ich diesen Monat noch dazu, an dem Punkt weiter zu forschen. Heute aber schreibe ich drei Beispiele auf, wie achtsames Zuhören bei uns aussehen kann :

 

Ich höre und schaue zu, wenn ich dies achtsam tun kann

Vier Kinder und eine Tagesmutter kurz vor dem Mittagessen. Sie ist am Spaghetti schöpfen, ein Kind ruft: „Lueg emol, wie-n-ich Peperoni isse!“ – „Ich bin gerade am Schöpfen und muss aufpassen, dass es keine Sauerei gibt. Ich schaue nachher.“ – „Lueg emol!!!“ – „Wenn ich fertig bin mit schöpfen.“ Später sitzen alle vor ihren vollen Tellern und ich sage: „So. Zeigst du mir jetzt, wie du Peperoni isst?“ Drei Kinder und eine Tagesmutter schauen andächtig und achtsam zu, wie ein Kind seine ganz besondere Peperoni-Esstechnik vorführt.

 

Ich höre achtsam zu und erwarte, dass ich auch gehört werde

Selbes Mittagessen beim Dessert. Ich: „Von welchem Kuchen möchtest du?“ – „Dä ganzi!“ – „Du sagst von welchem Kuchen, ich bestimme wie viel.“ – „Vo dem de Halbi!“ – „Ich sage wie viel, du von welchem.“ – „Vo dem. Schnidsch do dure.“ Ich sage nichts mehr und schneide dort durch, wo ich es für sinnvoll halte. Kind: „Aber i ha vom andere Chueche welle!“ Es muss sich dann einen kleinen Vortrag von mir anhören darüber, dass ich nur frage, wenn ich die Antwort wissen will und dass ich ihm gut zugehört habe und dass es riskiert, nicht mehr gefragt zu werden, wenn es meine, ich höre ihm nicht richtig zu. Gut möglich, dass ich im Laufe des Vortrags seine Aufmerksamkeit verloren habe…

(Übrigens: Ich bin müde nach einem solchen Mittagessen. Vier Kinder, denen ich achtsam zuhören möchte und von denen ich möchte, dass sie mir achtsam zuhören – das braucht Energie. Aber es macht auch Freude. Und ich glaube, aufs Ganze gesehen braucht es weniger Energie, als wenn alle durcheinander schwatzen und darum kämpfen, wem jetzt zugehört wird und am Schluss der Lauteste gewinnt.)

 

Es ist schön, wenn ich gehört werde

Nach einem energieraubenden Besuch in der Kinderkleiderbörse, während dem ich nichts gefunden hatte von dem, was ich gesucht hatte, und die Kinder zwar eine Menge gefunden hatten, das sie haben wollten, aber nichts, was ich ihnen kaufen wollte, sassen wir erschöpft im Restaurant und tranken etwas. Schliesslich sagte ich: „Wir gehen jetzt dann in die Migros. Perfekte Tochter, du darfst ein Bikini auswählen und kurze Leggings. Perfekter Sohn, du eine Badehose und ein Paar Sommerhosen. Sonst nichts.“ Ein Weilchen war es still, dann schaute mich die perfekte Tochter aufmerksam an und fragte: „Sagst du uns das, damit es dann kein Gstürm gibt?“ Etwas irritiert schaute ich zurück, dann merkte ich: Sie war achtsam! Sie hatte mir zugehört und überlegt, was mein eigentliches Anliegen sein könnte und zur Sicherheit hat sie nachgefragt. Es war ein gutes Gefühl und ich bestätigte: „Ja, genau darum habe ich das gesagt!“ (Und es hat kein Gstürm gegeben in der Migros.)

Advertisements

3 Antworten zu “Monatsmotto Achtsamkeit: Zuhören und gehört werden

  1. Lueg emol – sehr süß! Mir ist, als säße ich mit am Tisch!
    …und ich hätte auch gerne dä ganzi Kuchen, traue mich aber nicht, das zu sagen! 😉
    …und den letzten Teil der Schweizerischen Kommunikation hab ich nicht verstanden, da war ich raus.
    Liebe Grüße, Sonja

    • Ja, das mit dem Getrauen zu sagen, ist bei meinen Kindern und Tageskindern nicht so ein Problem… 🙂 Und das ist gut so!
      Dann sprichst du noch ein Dilemma von mir an: Ich weiss, dass die schweizerdeutschen Zitate eine Herausforderung/Zumutung sind für meine nicht-schweizerischen Leserinnen und Leser, wenn ich sie aber auf Hochdeutsch übersetzen würde, ginge der O-Ton verloren und das fände ich schade. Also ungeniert nachfragen!

  2. Pingback: Achtsamkeit – Monatsthema Juni | Fundstücke aus dem Internet·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s