Monatsmotto Achtsamkeit: Zuhören

Auf dem wertvoll-blog von Sonja wurde ich auf das Monatsmotto vom Juni aufmerksam, das sie mit dem Fräulein im Glück teilt: Achtsamkeit. Die beiden haben eingeladen, daran teilzunehmen und ich wurde – nein, nicht achtsam, sondern aufmerksam. Aufmerksam darauf, dass mir Achtsamkeit wichtig ist und ich gern einen Monat lang nachspüren möchte, warum das so ist. Warum hat mich das Thema spontan angesprungen? Worauf möchte ich besser achten? Also lasse ich die Achtsamkeit einen Monat lang durch meinen Kopf, meine Gedanken, meine Gefühle, mein Leben rollen und berichte hier jeden Freitag, was dabei herausgekommen ist.

Es war der 2. Juni, Montag, der Frauen-Zmittag-Tag von mir und der perfekten Tochter, der plötzlich noch kostbarer geworden ist, seit uns bewusst wurde, dass der perfekte Sohn nur noch viermal in der Waldspielgruppe essen wird. Wir sassen nebeneinander, ich ass, sie redete, wie jeden Montag, und da sprang sie mich an: Die Achtsamkeit. Ich wurde mir bewusst, wie ich meiner Tochter mit halbem Ohr zuhörte und gleichzeitig meine Gedanken schweifen liess. Wie so oft. Das kann man mir nicht nur übel nehmen, denn die perfekte Tochter redet sehr viel. Sehr ausführlich, sehr ausschweifend, sich durchaus auch wiederholend. Oft kann man dem Plot prima folgen, wenn man nur mit halbem Ohr zuhört, und wenn man zu sehr abschweift, holt sich einem mit einem wahllos irgendwo eingestreuten „Mami…“ wieder zurück. Obwohl – vielleicht sind sie auch nicht wahllos, die direkten Anreden, vielleicht kommen sie wirklich immer dann, wenn sie meine Aufmerksamkeit ganz zu verlieren droht. Jedenfalls wurde mir während diesem Essen plötzlich bewusst, wie wenig ich auf ihre Worte achte. Ich lasse sie plaudern, mache angepasste Konversationsgeräusche und schalte mich dann ein, wenn mich ein Thema plötzlich interessiert.

 

Ich wurde achtsam. Stellte meine Gedanken ab und hörte mit beiden Ohren meiner Tochter zu. Widmete mich ihr ganz. Die Geschichten wurden nicht spannender, es passierte nichts Spektakuläres, aber es war schön, ihr zuzuhören – wirklich zuzuhören -, mir Zeit zu nehmen nur für sie und für das, was sie mir erzählen wollte. Es wurde persönlich, kostbar.

 

Ich blieb eine achtsame Zuhörerin diese Woche. Unterbrach häufig meine Tätigkeit, um genau zu verstehen, was meine Kinder sagten und meinten. Sagte manchmal „Sorry, ich kann dir gerade nicht zuhören. Warte bitte, bis ich fertig bin mit…“ oder auch „Jetzt mag ich nicht mehr zuhören, sondern möchte…“. Dabei merkte ich erstens, dass sie wirklich viel Interessantes und Lustiges zu erzählen haben und zweitens, dass es für mich weniger anstrengend ist, entweder bewusst hinzuhören oder eben bewusst nicht zuzuhören, statt halbe-halbe zu machen. Ich bekomme nicht nur viel mehr mit von den Gedanken und Gefühlen meiner Kinder, sondern werde automatisch auch achtsamer darauf, wie viel ich noch ertragen kann an Input und wann es Zeit wird, in Ruhe meinen Gedanken nachzuhängen. Was ich dann auch achtsamer tun kann.

Es ist noch viel Potential im Thema „achtsam zuhören“ und ich freue mich, dass ich einen ersten Schritt getan habe.

 

Ich werde auch übers Wochenende und in der nächsten Woche auf Worte achten. Nicht nur auf die, die zu mir gesagt werden, sondern auch auf diejenigen, die ich sage. Fortsetzung folgt am nächsten Freitag.

 

5 Antworten zu “Monatsmotto Achtsamkeit: Zuhören

  1. Das klingt sehr schön mit dem aufmerksamen Zuhören, doch was ich besonders spannend finde ist, dass Du Dein Grenzen besser wahrnimmst. Dass Dich die Achtsamkeit im Zuhören zu einer Achtsamkeit Dir selbst gegenüber führt.

    • Hallo Frau L.! Ja, das fand ich auch spannend. Und es braucht wiederum viel Achtsamkeit von mir, die Grenze wirklich zu spüren und nicht vorschnell zu sagen „jetzt mag ich nicht mehr“.

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