Erziehungerfolg

Nach einem herrlich freien Wochenende mit ganz vielen Erwachsenen-Aktivitäten, war es gestern gegen Abend plötzlich so weit, dass der perfekte Ehemann und ich trällernd ins Auto stiegen: „Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät?“ Aber natürlich war es dann auch schön, die Kinder wieder in die Arme zu schliessen, uns von ihrem perfekten Kinder/Grosseltern-Wochenende erzählen zu lassen und sie schliesslich mit nach Hause zu nehmen. Noch bevor wir nach Hause fuhren, demonstrierte mir der perfekte Sohn allerdings, dass er keine Milde walten lassen würde, nur weil wir uns ein paar Tage nicht gesehen hatten. Wenn er Schoggi will, dann will er die und holt sie sich, auch wenn ich dagegen bin, und er hat gar kein Problem damit, sich deswegen mit mir anzulegen. Schade, fand ich, so ein freudig-herzlich-friedliches Wiedersehen wäre doch schöner gewesen.

Heute Morgen dann die nächste potentielle Krisensituation: Bereitmachen für die Waldspielgruupe. Ja, er will in den Chindsgi, ja, er ist gross genug dafür, ja, er war schon oft in der Waldspielgruppe, ja, es ist nicht sein Lieblingsort und ja, ich finde, wenn er so gross ist, ist er auch gross genug, die paar Mal bis zu den Sommerferien noch hinzugehen. Es ging ja auch lange wieder gut, aber vor zwei Wochen hat er eine grandiose Szene hingelegt vor dem Haus seines Gspändlis und letzte Woche war er kurz vor einer Wiederholung. Heute bitte nicht, dachte ich, spürte aber schon früh, dass alles auf wackligen Beinen stand. Einerseits war er sehr anhänglich und andererseits immer mit einem Bein auf dem Kriegspfad.

Was tun? Mein schlechtes Gefühl ignorieren und den Kampf aufnehmen, wenn er da ist (falls er überhaupt kommt)? Bestechung (also gut, dann darfst du halt schon Ohreringli haben, aber dafür will ich NIE MEHR ein Gstürm wegen dem Wald!)? Jammern (gell, heute machst du bitte bitte kein Theater…)? Konnte mich alles nicht überzeugen, doch da kam mir zum Glück Herr Juul in den Sinn: Frag das Kind, was es dazu meint!

„Du, perfekter Sohn, was machen wir, damit du heute ohne Theater in den Wald gehst?“ – „Nüt.“ – „Aber ich wäre so froh, wenn es kein Theater geben würde.“ – „Es git keis.“ – „Aha. Wir machen also nichts und du machst kein Theater?“ – „Jo.“ – „Super! Das freut mich. Spielen wir noch ein UNO?“

Drei Unos haben wir gespielt, er hat alle drei gewonnen (ich habe nur beim ersten etwas nett gespielt, nachher wollte ich unbedingt selber gewinnen), dann zog er sich für den Wald an, ging noch ein wenig aufs Riitiseili und alles lief friedlich ab.

 

Ja, ein Erziehungserfolg! So fühlt es sich an. Auch wenn ich letzte Woche zu einer Freundin sagte, bei Kindern solle man nicht in Erfolg und Misserfolg denken. Auch wenn ich das wirklich finde. Auch wenn ich dagegen anblogge, eine perfekte, erfolgreiche Mutter sein zu wollen. Es tut mir trotzdem gerade heute gut, mich als Mutter erfolgreich zu fühlen. Ich lasse es zu. Ausnahmsweise.

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2 Antworten zu “Erziehungerfolg

  1. Ich finde, manchmal darf man schon von Erziehungserfolgen reden. Schließlich lernen wir aus Erfolg und in der Erziehung haben wir doch viel zu lernen, oder?
    Gerne darfst du bei unserem Achtsamkeitsmonat mitmachen. Wir freuen uns und sind gespannt auf deine Ideen! Gerne verlinke ich deinen Beitrag!
    Liebe Grüße, Sonja

    • „Aus Erfolg lernen“ – danke für diesen Gedanken, Sonja! Ich bin schon ganz achtsam auf alles, was mit Achtsamkeit zu tun hat und freue mich, dass ich bei euch mitmachen darf.

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