Kooperation statt Machtkampf: Die Praxis

Vor kurzem habe ich geschrieben, der perfekte Sohn und ich hätten einen Weg gefunden, miteinander zu kooperieren, statt uns zu bekämpfen. Damit würden wir gut fahren, auch wenn es Grenzen gäbe.

Und so kann unsere Kooperation aussehen:

Ich, nachdem ich ihn nach einer Session „Meerjungfrau“ (beide Beine ins gleiche Pijamabein) einigermassen zügig ins Pijama gekriegt habe: „Zeit zum Zähneputzen!“

Er: „I mues no…“

Ich: „Nein, Zähneputzen!“

Er: „Jo aber… Die Hase müend no is Auto.“

Ich gehe ins Badezimmer, mache die Zahnbürste bereit und warte. Schliesslich:

 

Ich: „Perfekter So-hon! Zähneputzen!“

Er murmelt vor sich hin, offenbar völlig ins Spiel vertieft. Die perfekte Tochter, die bereits am Zähneputzen ist, bietet an, mal nachzuschauen.

Sie: „Er tuet d’ Hase is Auto und d’ Ross uf e Ahänger.“

Ich: „Aber die haben doch da gar nicht alle Platz…“

Ich warte wieder eine Weile. Schliesslich:

 

Ich: „Perfekter Sohn? Wie lange dauert das noch mit den Hasen?“

Er: „Nömme… – Scho no lang!“

Die perfekte Tochter und ich wechseln einen Blick. Ich warte. Schliesslich taucht der perfekte Sohn im Badezimmer auf.

Er: „I mues ufs WC. Ond de chasch mer jo grad d’ Zähnd putze. Aber fertig bini nonig!“

Ich nutze die Gelegenheit und fange an, ihm die Zähne zu putzen. Er albert rum, summt und singt und schliesslich:

Ich: „Jetzt halt mal still und lass mich deine Zähne putzen! Ich habe genau jetzt keine Geduld mehr!“

Er hält still, ich putze und künde gleich noch an, es sei nun Zeit für die Gutenachtgeschichte. Wir gehen ins Kinderzimmer, wo sich die perfekte Tochter mittlerweile dem Viehtransport angenommen hat. Er hingegen ignoriert ihn und hüpft ins Bett. Und sobald sie auch noch aufgehört hat zu spielen und wir uns auf ein Büechli geeinigt haben, das in Länge und Inhalt allen genehm ist, kann der ruhige Teil des Gutenacht-Rituals eingeläutet werden.

 

Ja, so kann das aussehen bei uns. Zugegeben, schneller sind wir nicht, als wenn wir uns eine Schlacht ums Zähneputzen liefern würden, aber es braucht viiiiiiiiel weniger Energie und anschliessend keine lange Erholungsphase. Und wer weiss – vielleicht muss ich künftig in persönlichen Fragebogen bei „Schwächen“ nicht mehr „Ungeduld“ hinschreiben, weil ich dank dem ruhigen Sitzen auf dem Badewannenrand gelernt habe, ruhig durchzuatmen und selbige unter Kontrolle zu kriegen.

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