Gelassenheit hat Grenzen

Bleiben Sie gelassen! Geniessen Sie einander und die Kinder. Eine bessere Erziehung gibt es nicht.

Stand gestern in Jesper Juuls Familienkalender. Ich erinnere mich, wie es bei mir „pling“ gemacht hat, als ich das erste Mal von Gelassenheit in der Erziehung und überhaupt im Umgang mit Kindern gelesen habe. Genau. Wenn man sowohl die Alltagssächelchen wie auch die grundsätzliche Entwicklung der Kinder gelassen nehmen kann, fällt viel Elternstress weg. Und es fängt bei einem selbst an, ist also umsetzbar. Werde ich doch eine gelassene Mutter!

Tatsächlich hat es geholfen, die Gelassenheit vor Augen zu halten. Manchmal im Moment, häufig beim Nachdenken über Situationen. Dann kam aber eine Zeit, in der es nicht mehr geholfen hat, in der mich Artikel über „Gelassenheit in der Erziehung“ alles andere als gelassen machten. Mit einem kleinen Vulkan an meiner Seite, der bei der geringsten (auch unsichtbaren) Erschütterung ausbrach, um sich schlug und wütete, fiel Gelassenheit schwer. Fühlte sich sogar unangebracht an. Was soll ich mich um Gelassenheit bemühen, wenn ganz offensichtlich etwas nicht stimmt zwischen meinem Kind und mir? Und wenn ich mich noch darum bemühen würde, woher sollte ich sie nehmen? Und doch waren da Kopfstimmen, die meinten: Wenn du gelassener wärst, wäre es dein Kind auch. Nun sei doch gopfridstutz mal etwas gelassen! Du machst dir so viele Gedanken darum, eine gute Mutter zu sein, hast verstanden, dass Gelassenheit dir dabei hilft und kriegst es nicht hin! Warum eigentlich nicht?!

Ich habe ihn dann vorübergehend verabschiedet, den Wunsch nach Gelassenheit. Nein, liebe Kopfstimmen, ich bin gerade keine gelassene Mutter. Ich – will – es – nicht – sein. Ich will keinen Gelassenheits-Druck! Ich rege mich jetzt auf und störe mich daran, dass mein Kind so oft austickt und dreinschlägt. Und ich reagiere nicht gelassen, wenn es das tut. Es gibt keinen Grund zur Gelassenheit!

Ja, in der Zeit hat es gut getan, „ungelassen“ zu sein. Und vielleicht hat es dabei geholfen, die Situation nicht mehr zu akzeptieren, unsere Streitereien nicht mehr hinzunehmen, sondern eine Lösung zu suchen. Die Lösung für uns war der Entschluss, in die Kinesiologie zu gehen und das hat das Vulkänchen beruhigt.

So sehr, dass ich jetzt wieder gelassen sein will. Dass ich das gestrige Kalenderblatt aufgehängt und ihm heute schon ein paar Mal zugezwinkert habe. Ja, ich bleibe gelassen, wenn die Tochter mit dem Berufswunsch Forscherin herausfinden muss, was passiert, wenn man ein Rüebli über einer Schwimmkerze röstet. Ich bleibe auch gelassen, wenn der Sohn nach einer halben Stunde findet, es seien schon mindestens zwei Mittagsruhen vorbei und er komme jetzt „im Fall“ zu den Legos runter. (Kein Problem, die halbe Stunde hat gereicht, um „für kommende Aufgaben gewappnet zu sein“.)

Ich geniesse die Kinder und die Tatsache, dass es so viel zu geniessen gibt. Wenn sie dabei noch erzogen werden – gerne!

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