Fehler machen

Jetzt haben mich doch das Bloggen und das Leben in den letzten Monaten recht schön gelehrt, dass es wirklich nicht nötig ist, alles perfekt machen zu wollen und dass es einfacher ist, sich Fehler einzugestehen und sie wegzustecken, als sie in Gedanken noch tausendmal zu wiederholen und mir zu überlegen, was ich anders hätte machen können. Dass ich mit mir zufrieden sein darf, auch wenn ich es nicht mit jeder meiner Reaktionen bin.

Aber heute… Heute habe ich feststellen müssen, dass ich doch lieber fehlerfrei wäre. Also fehlerfrei handeln würde. Und dass ich kurzerhand ziemlich aus der Fassung geraten kann, wenn ich feststelle, dass es nicht so ist. Es war so: Ich habe im Rahmen meiner Weiterbildung Briefe verschickt. Ganz offiziell, z.T. an ganz offizielle Stellen, z.T. an Bekannte von mir. Und heute kam einer davon zurück, mit dem Vermerk, dass er falsch frankiert war. Was wiederum bedeutet, dass alle anderen es auch sind! EIN FEHLER! Ein peinlicher Fehler. Umso peinlicher, als ich sogar auf der Homepage der Post nachgeschaut hatte, wie viel das Porto kostet. Keine Ahnung, wo auf dieser Tabelle ich die Orientierung verloren hatte. Ich habe mich auf der Stelle und ziemlich panisch und obwohl es Viertel vor zwölf war und somit Zeit zum Kochen durch die offiziellen Stellen telefoniert und gemailt, mich entschuldigt und darum gebeten, mir die „Strafzettel“ der Post zukommen zu lassen. Eine Stelle hat pikiert reagiert, die anderen verständnisvoll, eine hatte den Fehler nicht einmal festgestellt.

So weit so gut. Aber ich studierte das ganze Mittagessen an meinem blöden Fehler herum. Darüber, dass er nun wirklich vermeidbar gewesen wäre. Darüber, wie stark er wohl die Meinung der Briefempfänger über mich und mein Anliegen beeinflusst. Darüber, wie unprofessionell und unseriös so eine falsche Frankatur wirken muss. Darüber wie peinlich es mir ist und darüber, ob ich mich eigentlich bei der einen offiziellen Stelle dafür bedankt habe, dass sie mir bereits Unterlagen zugeschickt hat oder ob ich das vor lauter Aufregung komplett vergessen habe. Und wo ich schon am Studieren war, auch noch gleich darüber, ob es richtig gewesen war, so schnell zu reagieren oder ob ich nicht doch besser bis nach dem Mittagessen gewartet hätte, wo man doch mit vollem Bauch grundsätzlich etwas gelassener ist.

Und dann dringt es langsam durch. Das Gefühl: Ja, ich habe einen Fehler gemacht. Ja, er wäre vermeidbar gewesen. Ja, ich habe keinen perfekten Eindruck gemacht bei den Empfängern der Briefe. Könnte daran liegen, dass ich nicht perfekt bin. Und da meine Familie mit dieser Tatsache umgehen kann, gehe ich nun einfach davon aus, dass die Briefempfänger es auch können und höre auf, mir tausend Gedanken zu machen. Das habe ich schliesslich gelernt. Also… Ich lerne es.

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3 Antworten zu “Fehler machen

  1. Da kann ich mir ein Beispiel an dir nehmen, es zu lernen. Meine Gedanken gehen auch immer mit mir durch, spielen nicht-so-gut-gelaufene Situationen immer wieder durch und wie ich sie besser hätte meistern können. Mir hilft es da dann immer (wenn ich noch so „eigenständig“ denken kann), mich darauf zu konzentrieren, wie ich mir diese Situation gewünscht hätte oder wenn das nicht geht, dann was gut in meinem Leben ist.

  2. Beim Lesen dieses Posts geht mein Puls gleich schneller… Ich kann sooo gut mit dir fühlen! Es wäre mir genau gleich gegangen.
    Doch ich lasse mich ermutigen vom heutigen Jesper-Juul-Kalenderspruch: „Es gibt keine perfekten Eltern!“ Und auch keine perfekten Menschen. Wir dürfen Fehler machen. Auch solche, die uns aus der Fassung bringen.

    • Liebe Marianne, ich hatte das Kalenderblatt bereits fotografiert, um es hier hinein zu stellen, bevor ich deinen Kommentar gelesen habe :-). Und du hast recht, wir dürfen uns aus der Fassung bringen lassen, auch in dem Punkt müssen wir nicht perfekt sein!

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