Eigentlich sind wir weg

Mein Fuss schmerzt. Und mein Herz.

Ich bin über den gepackten Koffer des perfekten Ehemanns gestolpert. Wir alle sind über die Magendarmgrippe der perfekten Tochter gestolpert.

Bis um halb zwölf meinten wir, dass wir Eltern bis am Sonntag in ein Wellness-Hotel fahren und die Kinder bei den Grosseltern sein werden. Alle freuten sich, wir packten die Koffer und warteten nur noch, bis die perfekte Tochter vom Chindsgi nach Hause kommen würde. Ein schnelles Mittagessen und es würde losgehen.

Der perfekte Ehemann begriff es schneller als ich. Er war es ja auch, der mit der Kindergärtnerin telefonierte, die ihn bat, unsere Tochter abzuholen. Sie habe erbrochen. Ich wollte in dem Moment noch an einen kleinen Zwischenfall glauben und packte die letzten Sachen ein, als er schon auf dem Weg war. Als sie kurz darauf kreidebleich, verweint und schlotternd vor mir stand, war auch für mich alles klar und die Anzeige des Fiebermessers nahm mir die letzte noch irgendwo versteckte Hoffnung. Wir würden alle zuhause bleiben.

Das Traurigste war, die Koffer wieder auszupacken. Alle freudigen Erwartungen wieder auszupacken. So deutlich zu sehen, was uns entging.

Es war ein trüber Nachmittag. Alle waren wir enttäuscht und traurig. Gegen Abend meinte die perfekte Tochter, die Ärmste von uns: „Mängisch het me au Glück, weme chrank ist.“ – „Warum???“ – „Wil me de ganz viel Ziit mit em Mami het. Meh aus süsch.“

Ja, wir haben nun ganz viel Zeit als Familie. Noch scheint mir das ein schlechter Trost, noch will ich mich auch gar nicht trösten lassen. Aber es ist ein Ansatz.

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3 Antworten zu “Eigentlich sind wir weg

  1. Oje, gute Besserung!!! zum Trost: Uns geht es ähnlich, wir haben eigentlich Abendtisch von unserer Siedlung und würden gerne noch ein Glas Wein trinken, aber unserer Tochter ist es so übel, dass wir bereits um 20.00 Uhr nach Hause mussten…. LG Howis

  2. So gemein! Da gibt es wirklich nicht viel Tröstendes zu sagen… ich wünsche euch von Herzen gute Besserung und viele gute Mami-Tochter-Momente.

  3. Dann gibts vielleicht ein verlängertes Wellness Weekend nächstes Mal zum Trost? 🙂 In Suahili wird dir auf die Geschichte so geantwortet: oh, pole sana, dada! meaning: oh, I´m so sorry, my sister!
    Liebe das Feedback deiner Tochter jedoch, einfach genial!!

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