Perfekte Eltern

Zwei wunderbare Tage auf dem Hasliberg bei den Haslizwergen. Zwei Wanderungen auf den Zwergenwegen, eine Übernachtung in einem Muggestutz-Zimmer. Ein perfektes Familienprogramm und offenbar sind unsere Kinder im genau perfekten Alter dafür. Jedenfalls passte einfach alles an diesen zwei Tagen.

Naja, fast alles. Die Familie, die nachts um halb zehn – also auf die Minute pünktlich zu dem Zeitpunkt, als die perfekten Kinder ihre Aufregung langsam in den Griff bekamen und kurz vor dem Einschlafen waren – das Zimmer neben uns bezog und sich anschliessend zwei Stunden lang lautstark in demselben einrichtete – die passte mir gar nicht. Es hätte um fünf vor elf nur ein gemurmeltes „Ja“ meiner Bettnachbarin gebraucht und ich hätte an die Nachbarzimmertür geklopft und meine Meinung kundgetan. Sie murmelte allerdings ein „Nein“ und so liess ich es bleiben. Irgendwo hinter meiner Müdigkeit natürlich wohl wissend, dass es Kinder gibt, die nicht um Punkt acht Uhr müde sind und mit der soeben einmal mehr gemachten Erfahrung, dass ein neuer Schlafort durchaus für Aufregung und längere Einschlafzeiten sorgen kann.

Auch etwas Mühe bereiteten mir die beiden Familien mit den mittelgrossen Jungs, die irgendwie nicht zu merken schienen, dass ausser ihnen noch andere Familien auf dem Zwergenweg waren. Dass noch andere Kinder gern in den Zwergenhäuschen spielen würden und dass es Kinder gibt, die es nicht gern haben, wenn sie von Leitern gestossen werden oder ihnen die Finger in den Türchen eingeklemmt werden. Ein gemütliches Schwätzchen unter Müttern in Ehren, aber ein bisschen Aufmerksamkeit für den eigenen Nachwuchs hätte ich erwartet. Aber vielleicht haben sie ja aufgepasst, vielleicht haben sie sich ja darüber unterhalten, wie toll ihre Jungs gelernt haben, ihre Interessen durchzusetzen. Oder wie viel ruhiger sie sich aufführen als noch im letzten Jahr, als alle Kinder rundherum ständig geweint hatten. Was weiss ich schon?

Die Mutter, die ihre Kinder halbherzig davon überzeugen wollte, doch nicht vorzudrängeln, sich aber sehr schnell von deren Argumenten („Wir haben nicht gedrängelt, die anderen haben für uns mitreserviert.“) überzeugen liess, resp. das Argument noch zweimal wiederholen liess, damit wir Zurückgedrängten es auch bestimmt verstanden, fand ich auch etwas komisch. Also, entweder soll sie es bleiben lassen oder sich durchsetzen. Oder?

Oder die Mutter, die ihren Kindern im Laden erlaubte, sich ein Süssgetränk und ein Überraschungs-Pommes-Chips auszusuchen und sie nachher zusammen stauchte, weil sie sich vor lauter Angeboten oder eben doch Nicht-Angeboten nicht entscheiden konnten und Streit bekamen. Damit muss man doch rechnen. Sonst muss man halt allein einkaufen gehen und die Kinder mit dem Grossvater vor der Ladentür warten lassen. Dann werden sie schon zufrieden sein.

Diese letzte Mutter war übrigens ich.

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