Antibiotika zum Frühstück

Der perfekte Sohn hat seine schlechten Karten, als Vierjähriger Scharlach zu bekommen, optimal ausgespielt: Er hat es auch.

„I be doch noni z’chli, zum Scharlach übercho!“, sagt er stolz und korrigiert sich gleich selber: „Nei, nümme z’chli!“ Hurra, unser Kind ist hochbegabt im Scharlachkriegen! Oder er hat einfach einmal mehr seinen Willen unter Beweis gestellt: Ich will rosa Sirup, also kriege ich ihn!

Wie auch immer, mir stinkt es! Ich würde mich gern noch deutlicher ausdrücken, etwa so wie die perfekte Tochter, die heute die Spinatchüechli des anderen Grossverteilers so kommentierte: „Wenn me dörft gruusig säge, de wördi!“ Also wenn man… Aber egal.

Ich habe genug von langweiligen, einsamen Tagen mit ansteckenden Kindern. Ich habe genug davon, Aktivitäten abzusagen. Ich wollte mit meinen Kindern und meinen Eltern ein schönes Wochenende in den Bergen verbringen und daraus wird nun nichts. Ich habe genug vom Fiebermessen und genug von den Diskussionen, ob jetzt feiner Algifor-Sirup oder ein doofes Zäpfli dran ist zum Senken desselben. Ich sehe durchaus immer noch die Gemütlichkeit von Kuschelstunden (oder Compistunden) im Mamibett, geniesse auch gern ruhige, kreative Mutter-Sohn-Aktivitäten, freue mich, dass er mal die Musse hat, einer längeren Geschichte zuzuhören – aber zwischendurch mal was anderes wäre einfach schön. Und würde gut tun. Ein bisschen unter die Leute, ein Besuch, eine Aktivität mit Kindern, die genug Energie haben, selber genug Energie haben,…

Der Kinderarzt hat es mir übrigens angemerkt gestern (okay, besonders schwierig war dies wohl nicht) und hat sich mehrmals für das positive Testergebnis entschuldigt. Was schon ein wenig tröstlich war. Wie auch die Reaktion meiner Schwiegermutter, die meinte: „Jetzt wisst ihr wenigstens, was es ist und bald ist es vorbei.“ Genau, noch drei Tage bis das Antibiotika alle bösen Scharlach-Käfer gekillt haben sollte (Der Ausdruck stammt übrigens auch von der perfekten Tochter. Was die im Chindsgi alles lernen!) und wir wieder unter die Leute können. Wenn alles gut läuft… Aber daran will ich gar nicht denken.

Und deshalb das Positive zum Schluss: Die Miene des ziemlich zerknautschten, morgenmuffligen, fiebernden perfekten Sohns hellte sich heute Morgen schlagartig auf, als ich ihm verkündete: „Heute gibt es rosa Sirup zum Frühstück!“ Na also, wenigstens dieser Problempunkt ist für die nächsten sieben Tage gelöst!

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