Pistazien zum Frühstück

Es begann mit der Panne im Dorfladen, als die Schoggijogurt plötzlich fehlten. In der Zeit, während der sie fehlten, bekamen sie nämlich von ihrem Hersteller ein komplett neues Outfit verpasst und wurden auch inhaltlich aufgemotzt. Schoggistückli im ganzen Jogurt statt Schoggicrème zuunterst plus ein etwas anderer Geschmack – so was geht natürlich gar nicht für die konservativen perfekten Kinder. Die Lieblings-Schoggijogurt gab es ab sofort nicht mehr!

Die perfekte Tochter zeigte sich erstaunlich flexibel und erkor die andere Marke aus dem Dorfladen zu ihren neuen Lieblings-Schoggijogurt, aber der perfekte Sohn steht seitdem ohne Frühstückspräferenz da. Kein anderes Schoggijogurt mag seinen Ansprüchen genügen, das Müesli, das im Frühling noch der Renner war, ist nicht mehr fein, weder mit Jogurt, noch mit Milch noch ohne etwas. Andere feine Jogurt gibt es nicht und Brot will er auch nicht. Ach ja, und Milch hat er nicht gern. Ich habe beschlossen, dem bewährten Grundsatz treu zu bleiben und aus dem Essen kein Drama zu machen und so isst er halt zur Zeit häufig gar nichts zum Frühstück. Dafür gibt es ein frühes Znüni. Früchte, Cracker, Dörrfrüchte – halt was es im Znüniböxli für Spielgruppe und Chindsgi auch drin hat.

„I wott Darvida. Schoggi-Darvida!“ – „Nein, nichts Süsses zum Znüni.“ – „Paprika-Darvida!“ – „Nein, das ist ein Apéro. Du kannst normale Darvida haben.“ – „Pistazien!“ – „Nein. Normale Darvida, Apfelringli, einen Apfel, gedörrte Aprikosen,…“ – „Nüt darf i ha, wo-n-i wott!“ – „Wenn du nur das bestellst, von dem du eh weißt, dass du es nicht haben darfst!“ Wir führten die Diskussion mehrmals heute Morgen. In Anwesenheit der Nachbarin, die zu einem schnellen Kafi hier war, während ich mit meiner Mutter am Telefon war und immer wieder für uns allein. An dem Morgen, der eigentlich mein freier wäre! Den ich geopfert hatte, weil er gestern Fieber hatte und ich die Streptokokken-Börse nicht weiter führen wollte, weshalb ich ihn von der Waldspielgruppe abmeldete.

Dass das Fieber unterdessen weg ist, ist ja gut, aber nun ist ihm langweilig und ich trauere meinem freien Morgen nach und wenn ich schon nicht frei habe, putze ich halt und dann ist ihm noch langweiliger und er will Pistazien und Schoggi-Darvida. Und je länger er nichts isst, desto hässiger wird er und je hässiger er wird, desto grantiger werde ich. Als er zum wiederholten Mal jammert, dass er nichts bekomme, was er wolle und sich fast gleichzeitig weigert, mit mir nach oben zu kommen, um sich anzuziehen, rufe ich aus: „Ich finde, es ist genau umgekehrt: Du machst überhaupt nichts, was ich will! – Was willst du eigentlich?“ – „I wott i d’ Waldspielgruppe!“ Ach – da hätten wir ja doch noch einen gemeinsamen Wunsch gefunden! Nur hat die vor einer Stunde angefangen. Aber er tut mir schon leid, wie er so unglücklich vor mir steht und sich in die Waldspielgruppe wünscht, weg von der Mutter, die ihm nie gibt, was er will. „Oder i wott, dass die perfekt Schwöschter hei chonnt. Oder de Papi.“ Ich nehme ihn auf den Schoss. Tröste ihn. Gebe mir Mühe, eine etwas weniger unzulängliche Gefährtin zu sein.

Und ich beschliesse, dass nun eigentlich tatsächlich schon Apéro-Zeit ist und wir vielleicht beide etwas davon haben, wenn ich mich ein bisschen weniger stur zeige. „Komm, wir ziehen dich jetzt an und dann bekommst du ein paar Pistazien.“ – „Ja!“ Das Häufchen Elend springt von meinem Schoss, hüpft nach oben, lässt sich widerstandslos noch einmal Fieber messen (nein, daran liegt es nicht) und anziehen und dann isst er mit Hingabe seine Pistazien. In der Zeit kann ich konzentriert ein Telefonat führen und als er fertig ist, verschwindet er in sein Zimmer und spielt friedlich eine halbe Stunde lang ganz allein für sich.

Ob Pistazien nicht eventuell doch ein geeignetes Frühstück wären? So wahnsinnig gesund sind Schoggijogurt schliesslich auch nicht, oder?

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