Im Dorfladen

Ich glaube, es ist ein Zeichen dafür, dass man in seinem Dorf heimisch geworden ist, wenn man den Dorfladen betritt, die Verkäuferin vom Kassieren aufschaut und einem zuruft: „Es het de hüt kei Schoggijogurt! Sie müend sie nid sueche, es sind keini cho!“

Ich habe mich herzlich bei ihr bedankt und nicht gesagt, dass Schoggijogurt heute ausnahmsweise gar nicht auf meiner Posti-Liste stehen, denn natürlich hat sie recht: Wenn ich schon vor dem Kühlregal gestanden wäre, hätte ich nach ihnen Ausschau gehalten und wahrscheinlich wie üblich den ganzen Vorrat eingepackt.

Es könnte ja etwas leicht Unheimliches haben, etwas Einengendes, wenn man weiss, dass man „die Frau mit den Schoggijogurt“ ist und dies nun auch alle, die gerade an der Kasse im Dorfladen anstanden, wissen, falls sie es sich merken wollen. Aber so empfinde ich das nicht. Nein, mich freut es, dass die Verkäuferin meine Gewohnheiten kennt, es ehrt mich sogar ein bisschen und ich bin grad doppelt dankbar, dass unser Dorfladen seine Krise, die es bis in die Tagespresse geschafft hat, überwinden konnte. Solche Begegnungen gehören in meine familienfräuliche Komfortzone und ich verspreche, dass ich weiterhin treu dafür sorgen werde, dass der Schoggijogurt-Absatz des Ladens stabil bleibt – wenigstens solange sie für den morgendlichen Familienfrieden unabdingbar sind. Und falls meine Kinder je eine andere Frühstücksvorliebe entwickeln sollten, dann hoffentlich eine, die es auch im Dorfladen zu kaufen gibt!

4 Antworten zu “Im Dorfladen

  1. „Sie sind doch die mit den kleinen Zwillingen, und dann haben sie ja noch grosse Kinder – oder nicht?“ meistens amüsierts mich wenn man mich anhand der Kinder kennt, vielleicht deshalb weil niemand negatives damit verbindet. Die genaue Gefühlslage aber voll auszuloten habe ich mich noch nicht gewagt, eigentlich fühle ich mich meist wohl damit erkannt zu werden. Unser Dorf ist übrigens sehr gross, nennt sich aber immer noch Dorf wegen der grossen Stadt gleich nebenan.

    • Hallo motessa, willkommen hier! Das Problem ist ja ein bisschen, das man sich dann überlegt, was die Verkäuferinnen sonst noch alles von einem wissen. „Die mit dem Kind, das immer die Brötli betatscht“ oder „Die, die ihren herzigen Sohn immer so anschreit“… Es gelingt im Dorfladen über die Jahre definitiv nicht, die perfekte Fassade zu wahren!

      • Ich bin nicht perfekt, und steh auch nicht mehr für alles gerade was meine Mädels so von sich geben. Und mal ganz unter uns: eigentlich sind uns doch die Menschen erst recht sympathisch die echt sind und denen auch etwas misslingt/Kinder haben die sich mal daneben benehmen, oder? Was ich aber peinlicher finde ist, wenn ich mir überlege was die Verkäuferinnen sich über meine Einkäufe denken…all die Schokolade und den Marzipan…

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