Die Feen, die ich rief

Tatsächlich hatte ich ja meine Vorbehalte gegenüber diesen ominösen Feen, die Kinderdinge abholen und Geschenke zurück lassen (s. Die perfekte Tochter und die Zahnfee). Nachdem der Auftritt der Zahnfee allerdings ein solcher Erfolg geworden war, wehrte ich mich nicht dagegen, als die perfekte Tochter ihrem Bruder am entscheidenden Abend vorschlug, seine Nuggis doch der Nuggifee zu überlassen. Ihm kam es offenbar nicht so drauf an, was mit ihnen geschehen würde, aber da dieVorschläge der Schwester meistens ganz gut sind, zeigte er sich einverstanden. Also kamen die Nuggis in ihrem gewohnten Böxli auf den Balkon und daneben legte die perfekte Tochter ein Pflästerli. „Wenn si e richtigi Fee isch, nimmt sie das au mit!“ – „Warum?“ Für einmal war ich es, die diese Frage stellte. „Wil Fee Sache wägnähnd. Und viellicht schänkt sie mir ja au öppis defür.“

Die Kinder schliefen, der perfekte Ehemann und die Nuggifee to be besprachen sich über das Geschenk für die Nuggis. Ich hatte nichts geplant, da die Aktion spontan gewesen war und fand, ein Briefli der Zahnfee wäre gut. Der perfekte Ehemann fand das nicht und ohne weiter nachzufragen, verwarf ich die Idee. Wir landeten wieder bei den Steinen und ich durfte aus seiner Steinsammlung einen auswählen. Faustgross, rosarot – der perfekte Stein war schnell gefunden. Die Nuggifee tauschte ihn gegen die Nuggis aus, nahm das Pfästerli auf, hinterlegte aber nichts dafür. Ihre Überlegung: Sonst landet von jetzt an jeden Abend Müll auf dem Balkon!

Der perfekte Sohn war begeistert am Morgen, die perfekte Tochter still eifersüchtig und ich fühle mich schon komisch, wenn er stolz erzählt, der Riesen-Rosenquarz, den er ständig mit sich herum schleppt, sei von der Nuggifee. Die irritierten, amüsierten oder gezwungen ernsthaften Blicke der zuhörenden Erwachsenen mag ich nicht. Aber wie sollen sie auch sonst dreinschauen?

Vorletzte Nacht schlief die perfekte Tochter schlecht und ich mit ihr. Irgendwann kam aus: Sie hatte eine kleine Schachtel voller Leuchtsterne unter ihr Kopfkissen gelegt und das war unbequem zum Schlafen. „Weisch, viellicht chunnt d’ Stärnlifee und bringt mir öppis!“ Ja klar… Mir meiner Schuld an der kommenden Enttäuschung bewusst, begann ich mitten in der Nacht eine Diskussion mit dem perfekten Ehemann. „Ich glaube, ich sage ihr, dass es die Feen nicht gibt!“ – „Und dann erzählt sie es dem perfekten Sohn und er verlangt seine Nuggis zurück?“ Das brachte mich zum Schweigen.

Die Stärnlifee war nicht gekommen und die perfekte Tochter sass ernüchtert im Bett. „Findest du es unfair, dass der perfekte Bruder etwas bekommen hat von der Nuggifee und du damals nicht, als du den Nuggi abgegeben hast.“ Nicken. „Ich ha ebe dänkt, will’s zwei Nuggi sind, git’s zwei Sache und ich chan eis ha.“ Nicken von mir. „Weißt du was? Du hast damals ja auch von uns nichts bekommen und er jetzt schon. Ich kaufe dir noch etwas, auch wenn es schon lange her ist.“ Strahlen. „I wott au so-n-es Stofftier, wo Tön macht!“ Wie bringe ich das nun wieder dem perfekten Ehemann bei?! Wir hatten doch ausgemacht, es gäbe keine neuen Stofftiere mehr für unsere Kinder!

Wirklich, ich bin diesen Feen und ihrer Magie nicht gewachsen.

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5 Antworten zu “Die Feen, die ich rief

  1. Hach, ich sehe das Geschehn gleich vor Augen. Und ganz ehrlich, es könnte fast meine Tochter sein *lach*

    Jaja, die Nuggiziit liegt bei uns schon eine Weile zurück, aber ich kann mich noch gut daran erinern. Und ich finde, du schlägst dich doch ganz prima mit all den Feen rum, schliesslich bist du das perfekte Mami :))

    Grüässlis,
    Mirjam

  2. Hihi. Wir haben uns gestern geeinigt, dass es im Tausch gegen immerhin 5 Schnuller auch zum Feen-Einsatz kommen wird. Wir handhaben es allerdings so, dass wir ihr die Schnuller abgenommen haben und sie heimlich der Schnuller-Fee schicken. Die schickt dann per Paketdienst *g* ein kleines Geschenk. Unsere Fee ist halt etwas moderner 🙂

    • Fünf? Bist du sicher, dass ihr alle abgeschickt habt? Ich habe gerade gestern von einem Kind gehört, dessen Eltern meinten, es sei nuggifrei, dabei hatte es heimlich einen behalten :-).
      Ich wünsche deiner Tochter ein ganz tolles Geschenk von der modernen Fee und euch gute Nächte!

  3. Wir konnten diese Feenwelt bisher immer ganz gut einsetzen – die Nuckis hat unsere Tochter mit 2,5 dem Nikolaus gegeben der bei uns sogar nach Hause kam „für die kleinen Kinder die die Nuckis dringender brauchen“. Im Gegenzug gabs ein Geschenk. Es gab nie wieder Genöle über fehlende Schnuller.

    Unsere Tochter entschwebt nachts immer ins Feenland, als sie krank war und nachts schweißgebadet aufwacht, sagte sie als erstes: ich bin heute nichts ins Feenland gereist, damit ich niemanden anstecke….

    Mehr solchen Kindermund findet ihr auch unter http://www.kinderspruch.com

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