Wozu Stundenpläne gut sind

Nicht dass ich Stundenpläne je für eine einfache Sache gehalten hätte. Aber waren sie einmal ausgetüftelt, schön gestaltet, dreimal korrigiert und an die richtigen Kinder verteilt, schienen sie mir ziemlich klar zu sein. Das war in meinem Leben als Lehrerin. Nun bin ich Mutter und da sieht das Ganze etwas anders aus. Nicht dass der Stundenplan der perfekten Tochter besonders kompliziert wäre, nur ein bisschen anders als letztes Jahr, und für den ersten Tag nach den Ferien gab es sogar ein Extrazetteli. Wir starteten souverän und die gewünschte Begleitung der Kindergärtlerin endete abrupt, als diese unterwegs ihrem Versprochenen begegnete und danach Mutter und Bruder verliess, um ihm zu folgen.

Wieder zuhause hatte ich etwas zu erledigen: Die perfekte Tochter hat nämlich eine Geburtstagseinladung bekommen für genau den Nachmittag, an dem sie einen Termin bei der Logopädin hat. Gut möglich, dass ich in meinem Leben als Nur-Lehrerin die Logo wichtiger gefunden hätte, nun ist es jedenfalls umgekehrt. Also bemühte ich mich, den Termin zu verschieben und als ich die Logopädin telefonisch nicht erreichte, schrieb ich ihr ein Mail. Schaute meinen Terminkalender an und behauptete kühn, dass wir am Dienstag den ganzen Tag, am Mittwochnachmittag und am Freitagmorgen Zeit für sie hätten. Freute mich, als sie uns wenig später ebenfalls per Mail einen Termin für Freitagmorgen gab. Ehrlich – erst irgendwann am Nachmittag ging mir auf: Wir haben am Freitagmorgen gar keine Zeit! Die perfekte Tochter ist dann im Kindergarten! Dass das nicht in meiner Agenda steht, heisst nicht, dass es nicht existiert!

Dafür wäre nun eben dieser schön gestaltete Stundenplan da, den ich kurz vor dem Mail an die Logopädin schön säuberlich an die Magnetwand gehängt hatte!

Entschuldigung, liebe Eltern ehemaliger Schülerinnen und Schüler, über deren Schusseligkeit oder sonderbare Prioritäten ich einst den Kopf geschüttelt habe. Entschuldigung, liebe perfekte Kindergärtnerin, für das etwas verwirrte Telefongespräch gestern und danke für Ihre souveräne Reaktion. Und Entschuldigung, liebe Logopädin, falls Sie immer noch daran herum studieren sollten, warum ein Kind im zweiten Kiga-Jahr so viel freie Zeit hat.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s