Vom Verpassen

Nur noch drei Tage im Engadin und noch so viele Möglichkeiten und Wunschprogramme. Klar, dass wir nicht alles machen können. Klar, dass wir etwas verpassen werden.

Ein so wunderschöner, wolkenloser, sonniger, warmer, perfekter Tag. Auf die höchsten Berge könnte man wandern, die längsten Touren machen –  wenn nicht zwei der wackeren Wanderer dafür doch noch etwas zu kurze Beine hätten (mal ganz abgesehen vom Wanderer mit den Krücken, der den wunderbaren Tag auch nicht nur von der Ferienwohnung aus geniessen möchte). Doch, es wurde ein schöner Tag mitten in der Natur und mit erfolgreicher Murmelisichtung, aber das Gefühl, heute etwas verpasst zu haben, lässt sich nicht ganz abschütteln.

Mit der perfekten Tochter in der Boutique im Dorf, sie darf sich ein Stofftier aussuchen. Eines, dabei hat es Dutzende! Sie nimmt sie in die Arme, befühlt sie, schaut sie ganz genau an und gibt sich grosse Mühe, das Richtige zu finden. Nicht dass sie es noch verpasst, das perfekte Stofftier mit nach Hause zu nehmen! Sie hat Glück: Das Pferdchen, das ihr früh aufgefallen ist, erweist sich zweifelsfrei als das Beste. Sie verlässt die Boutique mit dem Pferd in der Hand und im Wissen, nichts verpasst zu haben.

Ich betrete den Lift im Coop und komme mir im Spiegel selber entgegen. Im Sportshirt, mit für meine Verhältnisse recht schön gebräunten Armen, nachlässig zusammengebunden Haaren, offenem Gesichtsausdruck und voller Energie den Einkaufswagen vor mich herschiebend. Überrascht lächle ich mir im Spiegel zu: „Schön, dich so zu sehen!“ Fast hätte ich es verpasst zu merken, wie gut es mir geht und fast hätte ich es verpasst, dies gebührend zu geniessen.

„Ihr könnt nicht alles haben!“, sage ich immer mal wieder zu den Kindern und auch: „Jetzt tut doch nicht so! Ihr kommt doch Beide nicht zu kurz!“ Auch ich komme definitiv nicht zu kurz, aber manchmal hätte ich trotzdem gern mehr oder etwas anderes. Heute merke ich mir (einmal mehr): Es macht nichts, manchmal etwas zu verpassen. Nicht alle Möglichkeiten auszuschöpfen, mich entscheiden zu müssen, loszulassen, einer verpassten Gelegenheit nachzutrauern. Was ich aber nicht verpassen will, ist die Augen und das Herz offen zu halten für das Gute, Schöne, Wohltuende, das Erreichbare und das Erreichte. Im Moment und im Leben. Und jetzt gerade und vor allem in diesen zwei tollen Ferienwochen.

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