Das blöde Drohen

Wirklich, ich wünschte , ich würde meinen Kindern weniger drohen. Das blöde „wenn…dann…“ oder „wenn nicht… dann…“! Häufig wirkungsvoll, aber mindestens so häufig sinnlos. Es wäre viel schöner, wenn die Kinder kooperieren würden, weil es für sie Sinn macht oder weil sie mir gern eine Freude machen und nicht, weil ihnen etwas angedroht wird.  Es nervt mich auch, dass sie angefangen haben, sich gegenseitig zu drohen, dass sie mir Tipps geben, womit ich dem Geschwister drohen könnte und dass der perfekte Sohn so mit mir spricht: „Wenn i das Gilet nid darf alegge, gang i ned i d’ Waldspielgruppe!“ (Bei 30° im Schatten letzte Woche und ohne vorher wirklich gefragt zu haben.) Das ist doch kein schöner Umgang miteinander!

Und doch ende ich immer wieder beim Drohen, zum Beispiel heute kurz vor Mittag.

Wenn ihr mich fragt, hat der perfekte Sohn viel Süsses bekommen heute Morgen. Wenn ihr in fragen würdet, würde er wohl sagen, dass dies nicht stimme und ich öfter nein als ja gesagt hätte. Jedenfalls war es halb zwölf, als er wieder nach etwas Süssem fragte (Traubenzucker glaub, aber das wurde schnell zweitrangig.) „Nein.“ – „Bitte.“ – „Nein, es gibt bald Zmittag.“ – „Biiiiitteeee.“ – „Nein, und zudem hattest du schon Süsses heute und nach dem Zmittag gibt es Dessert.“ – „BIIIIITEEEEE!“ – „Nein. Du hast ja sowieso den Mund schon voller Kaugummi!“ Damit waren meine Argumente erschöpft und ich versuchte einen beliebten Eltern-Trick: Ignorieren. Schwierig, wenn der Sohn neben einem steht und ununterbrochen im gleichen monoton-quengeligen Tonfall sagt: „Biiittee, Mami-e! Biiittee, Mami-e! Biiittee, Mami-e!…“ – „Sei bitte ruhig.“ „Biiittee, Mami-e!“ – „Hör auf! Du bekommst sowieso nichts und es macht mich nur hässig.“ – „Biiittee, Mami-e!“ – „SEI STILL!!!! KANNST DU NICHT EINFACH MACHEN, WAS ICH SAGE?!“ – „Biiittee, Mami-e!“ Ein weiterer Eltern-Trick: Das Zimmer verlassen, sich Abstand verschaffen. Wirkungslos, wenn der Sohn einfach die Verfolgung aufnimmt. Also dann: Ablenken (mich, nicht ihn, das geht eh nicht). Ich legte Wäsche zusammen, er stand daneben. „Biiittee, Mami-e!“ Und dann war es so weit: „Mein Sohn, willst du nach dem Mittagessen ein Dessert?“ – „Ja!“ – „Also, dann sei jetzt still.“ Er schluckte – und war still. Blieb es für ein Weilchen und fing dann fröhlich an zu spielen. Aber warum braucht es dafür eine Drohung?

4 Antworten zu “Das blöde Drohen

  1. Warum es eine Drohung braucht? Vielleicht weil uns Müttern die guten Ideen ausgegangen sind, unsere Kinder aber immer noch Ausdauer zum Weiterstürmen haben? Ehrlich gesagt: ich weiss es nicht.

  2. Also das ist ja nun wirklich keine Drohung am Schluss, nur eine berechtigte Frage, oder? Lg Claudia

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