Die perfekte Tochter und die Zahnfee

Vor mehreren Monaten hat die perfekte Tochter ihren ersten Milchzahn verloren und kurz darauf auch den zweiten. Die restlichen sind bis jetzt stabil. Dem Ausfall ging natürlich eine Wackelphase voraus, während der sie früh ankündigte, sie würde ihren Zahn dann unters Kopfkissen legen und von der Zahnfee abholen lassen. Dafür würde diese ihr etwas schenken. Von der Existenz der Zahnfee wusste sie durch ihre Lieblings-DVD (also ihre einzige DVD…) und auch von den Chindsgi-Gspänli war die Fee lobend erwähnt worden.

Ich war ein wenig hin- und hergerissen zwischen dem Grundsatz, ehrlich zu sein mit den Kindern und der Ansicht, ein wenig Magie im Alltag gehöre dazu und entschied mich schliesslich dafür, ein Schachteli mit verschiedenen Steinen und Mineralien zu kaufen. Die Zahnfee würde pro Zahn einen schönen Stein dalassen.

Also, der Zahn fiel raus und die perfekte Tochter beschloss, ihn zu behalten. Die Zahnfee hatte kurz davor einem Freund von ihr einen Spielzeug-Töff geschenkt, dabei aber vergessen, den Zahn mitzunehmen. Unzuverlässiges Verhalten plus Buebe-Spielzeug – nein, das konnte die perfekte Tochter nicht überzeugen. Der Zahn kam in ein Zahndösli, der zweite auch und die perfekte Tochter beobachtete das Verhalten der Zahnfee weiter. Bei einem Freund versagte sie komplett: Liess den Zahn unter dem Kissen, gab kein Geschenk. Klar, dass die Zähne da im Döschen blieben! Ein anderer Freund hat Geld bekommen von der Zahnfee. Daraufhin überlegte die perfekte Tochter sich ungefähr eine Woche lang, ob sie es nicht versuchen sollte, liess es dann aber doch bleiben. Zwischendurch machte sie sich Gedanken, ob sie zur Konkurrenz wechseln sollte. „Gibt es keinen Zahnzwerg, dem man die Zähne geben könnte?“ Dann aber – letzte Woche – bekam eine Freundin ein Stofftier von der Zahnfee! Voilà, Analyse abgeschlossen – es lohnt sich, die Zähne rauszurücken!

Sie tat es an einem Abend, an dem der perfekte Ehemann sie ins Bett brachte und zum guten Glück war sie noch wach, als ich zurück kam und konnte mir erzählen, dass das Zahndösli unter dem Kissen liege. Ich bin sicher, dass die Zahnfee sonst versagt hätte – Analyse hin oder her. So aber holte ich meine lange gehorteten Steine hervor und die Zahnfee tauschte, als die Tochter schlief, Zähne gegen Steine. Kein Stofftier, ich war mir dessen bewusst und rechnete damit, dass die perfekte Tochter unzufrieden sein würde mit dem Service und enttäuscht von der guten Fee.

Am nächsten Morgen weckte ich sie, sie streckte sich, erstarrte mitten in der Bewegung, langte unters Kopfkissen und fand das Zahndösli. „Sie isch nid do gsii!“ Dann nahm sie das Dösli in die Hand, wog es, schüttelte es… „Do isch öppis drin!“ Sie öffnete das Dösli und entnahm ihm die Steine – einen blauen und einen glitzernden. „D’Zahfee weiss, dass i gärn blau ha! Und glitzerig! Lueg emol – so schön!“

Glück gehabt, Zahnfee!

2 Antworten zu “Die perfekte Tochter und die Zahnfee

  1. was macht eigentlich die zahnfee mit den zähnen? und verwandelt man sich als mami eigentlich in eine fee, wenn man heimlich die zähne gegen schöne dinge austauscht?

    • Zur ersten Frage: Darüber haben die Kinder lange diskutiert und sind zu keiner befriedigenden Antwort gekommen. Was hingegen die Nuggifee mit den gesammelten Nuggis machen könnte – da kam ihnen viel in den Sinn.
      Zur zweiten Frage sage ich nichts. Das gehört zur Magie im Alltag…

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