Zwei zu eins, mindestens

Um wieder einmal auf Jesper Juul zurück zu kommen: Er ist der Meinung, dass man auch mit kleinen Kindern vernünftig, klar und „erwachsen“ reden soll. Also nicht: „Mein liebes Schätzchen, Mami kann jetzt leider nicht mehr mit dir kuscheln, Mami muss unbedingt die Küche aufräumen. Sonst wird das Geschirr traurig.“ Sondern vielleicht: „So, mein Sohn, jetzt will ich die Küche aufräumen. Wir können nachher wieder kuscheln.“ Juul behauptet nicht, der Sohn würde dann sagen: „Alles klar, Mami, geh du nur.“ Er sagt, der Sohn dürfe durchaus anderer Meinung sein und diese auch kundtun, nur müsse dies nichts am Willen der Mutter ändern.

Beim perfekten Sohn war die Reaktion diese: „I wott aber no kuschele. Immer lauft’s eso, wie du wotsch!“ Tut es das? Ich habe es die letzte Woche ehrlich gesagt anders empfunden.Viel Rebellion, viel Geschrei, viele ganz klare „i wott!“ von ihm. Und dann? Habe ich geschimpft und mich beschwert, dass es immer so laufen müsse, wie er wolle. „Aha“, sage ich, „du findest also, es läuft immer so, wie ich will?“ „Jo. Ond wie de Papi wott!“ Ah gut, ich bin also nicht der einzige Diktator. „Wie möchtest du denn jetzt, dass es läuft?“ „I wott kuschele!“ „Wie lange?“ „Hundert Minute!“ Wir müssen beide lachen. „Das geht doch nicht, in hundert Minuten musst du schon in der Waldspielgruppe sein!“ „Zäh Minute!“ „Das geht. Wir kuscheln zehn Minuten und dann räume ich die Küche auf.“ Ich hole das Sandührli und wir kuscheln und nachher räume ich auf. Perfekt, wirklich.

Ich studiere aber weiter an seinen Worten herum. Läuft es wirklich immer so, wie wir Eltern wollen? Ist es unfair von mir, wenn ich ihm vorwerfe, er könne kein nein akzeptieren und mich gleichzeitig immer durchsetze? Setze ich mich denn immer durch? Wer von uns hat nun wirklich getrötzelt letzte Woche?

Eine halbe Stunde später sieht es so aus: „I wott ned Zähndputze! I wott ned e d’Waldspielgruppe! I wott e Kaugummi!“ „Du gehst in die Waldspielgruppe. Und ich will, dass du die Zähne putzt. Nachher darfst du einen Kaugummi haben.“

2 : 1. Wir schauen, wie es weiter geht.

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