Skirennen schauen

Es heisst, wenn man mal Ruhe brauche, könne man die Kinder vor den Fernseher setzen. Nicht dass man sollte, aber man könnte. Ich habe es heute gemacht. Leider sind mir dabei zwei entscheidende Fehler unterlaufen:

  1. Ich habe mich dazu gesetzt.
  2. Ich habe den Fernseher eine halbe Stunde zu früh eingeschaltet.

Ich habe ihn nämlich dann eingeschaltet, als die Live-Übertragung der WM-Abfahrt anfing und nicht zu Beginn des eigentlichen Skirennens. Als Folge davon war der perfekte Sohn schon gelangweilt, bevor es losging und ich schon völlig k.o. vom Fragenbeanworten. „Fährt die jetzt gerade?- Ist das die Rosarote, die letztes Mal gewonnen hat? – Von wo ist die? – Was macht der? – Sind das Fans? – Sind das Clowns? – Haben Fans Clownkappen? – Gibt es auch Fans mit Tigerkappen? – Warum hat es eine blaue Linie? – Wie macht man die blaue Linie in den Schnee? – Wie heisst der Mann? – Wie heisst die Frau? – Ist das eine Schweizerin? – Ist das jetzt von heute oder von gestern? – Wann fängt es an? – Kann ich noch aufs WC, bevor es anfängt?“ Und so weiter. Und dann noch die Frage, ob es auch Fans gibt mit Zitronenkappen, wobei die Antwort, das wüsste ich nicht, einen Wutanfall des perfekten Sohns auslöste.

Schliesslich fing das Rennen an, um wenig später nach dem Sturz einer Fahrerin für längere Zeit unterbrochen zu werden. Tausend Fragen zum Sturz, der Gestürzten und allen Bildern, die uns das Fernsehen zur Not zeigte. Das Rennen ging weiter, ab und zu rutschte mir ein Kommentar raus – „Was hast du gesagt? – Warum hat sie das nicht gut gemacht? – Ist sie die Schnellste? – Warum weißt du das?“ Irgendwann, völlig unangekündigt, hatte ich genug. „Ich mag keine Fragen mehr beantworten! Ich möchte nur das Skirennen schauen!“ „Warum?“

Was war ich froh, als der perfekte Ehemann, der in Ruhe gekocht hatte, Bescheid gab, wir könnten essen. Es gelang mir, der perfekten Tochter einigermassen glaubwürdig zu erklären, dass die besten Fahrerinnen jetzt unten seien und ziemlich sicher die Frau von Frankreich gewinnen würde und sie deshalb unbesorgt essen kommen könne.

Jetzt müssen wir heute Abend noch schauen, wie die Frau von Frankreich die Goldmedaille bekommt und ich glaube, ich melde mich freiwillig zum Znacht bereit machen. Damit ich Ruhe habe.

P.S. Zwischen dem Fernsehschauen waren die perfekte Tochter und ich noch Schlittschuhlaufen. Endlich eine der geplanten Ferienaktivitäten und es hat so viel Spass gemacht!

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5 Antworten zu “Skirennen schauen

  1. Für den Fall, dass die Frage wieder mal auftauchen sollte: es GIBT Fans mit Zitronenkappen. Das sind dann die gelben. (egal ob es stimmt, auf jeden Fall dünkt mich eine unoriginelle Antwort angenehmer als einen Wutausbruch vom härzigen Sohn).

  2. Genau die gleiche Situation habe ich mit meiner damals 4-,bis 5-jährigen Tochter erlebt – mit einem ganz kleinen Unterschied. Die Fragen drehten sich nicht um ein Skirennen – das Thema weiss ich nicht mehr. Ich weiss noch, dass ich entnervt gesagt habe : „Frag‘ nicht immer warum!¨“ Die Tochter : „Warum?“

      • Ja, ja, schon! Auch Linard Bardill widmet ein Lied der Entnervung bei Fragen der Kinder: „Froge, Froge, nüt als Froge…………jetz hör emol uuf!
        Fragen haben für mich als Mutter meiner Kinder einen andern Stellenwert.
        Ich erlebe es als Gratwanderung zwischen Fragen – oder Nichtfragen?
        Wo mische ich mich zu stark in ihre Angelegenheiten ein und wo zeige ich durch Nichtfragen Interesselosigkeit an ihrem Leben. Da bin ich auch schon manchmal abgestürtzt auf meiner Gratwanderung. Auch Grosskinder haben – so kürzlich festgestellt – nicht immer Lust, auf Fragen zu antworten. Eines der Grosskinder hat festgestellt : „Du willst immer alles wissen!“.

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