Komfort ist relativ

Ich muss etwas ergänzen: Als es mir endlich gelang, den gestrigen Beitrag über die Komfortzone zu veröffentlichen, ging es in dieser gerade hoch her.

Während ich am Computer sass, stand hinter mir der perfekte Sohn und schrie wie am Spiess. Dies weil er nicht Mittagsruhe machen wollte und auch nicht in den oberen Stock gehen und wenn er nicht hier bleiben darf, haut er mich, was wiederum bei mir schlecht ankam; zwischendurch musste ich mich noch mit den Heizungsmonteuren im Keller besprechen und anschliessend dem perfekten Ehemann telefonieren, immer gefolgt von meinem Sohn, der sich in seinem Zorn und Frust eindeutig zu wenig ernst genommen fühlte. Dabei hatte ich durchaus Verständnis gezeigt zu Beginn – ist halt ungewohnt für ihn, dieser einzige Tag in der Woche, an dem er allein Mittagsruhe machen muss, weil die Schwester im Kindergarten ist -, ihm noch ein Büechli erzählt, mit ihm gekuschelt, ihm Aktivitäten vorgeschlagen. Das fand er alles sehr okay, es änderte aber nichts an seiner Haltung, keine Mittagsruhe machen zu wollen. Ich habe ihm sogar erklärt, ich würde nur zehn Minuten etwas am Compi machen und dann zu ihm rauf kommen und lesen. Hat ihn auch nicht ungestimmt.

Und so kam es, dass ich mein Loblied auf die familienfräuliche Komfortzone aufschaltete, während er hinter mir stand und mir seine unsägliche Wut auf dieses ungerechte Leben und diese verständnislose Mutter in den Rücken schrie. Nicht sehr komfortabel.

Warum ich den Text trotzdem veröffentlicht und nicht auf der Stelle gelöscht habe? Unter anderen weil ich einen richtig entspannten Morgen gehabt hatte vorher, mit zwei Kindern, die stundenlang für sich gespielt haben. Putzen konnte ich nicht, das geht ja auf keinen Fall, wenn man ohne Heizung und heisses Wasser ist, also hatte ich praktisch einen freien Morgen. Dass ich Mittagsruhe wollte, war v.a. Prinzip, kein riesiges Bedürfnis von mir (was er vielleicht gespürt hat, denke ich jetzt gerade). Mein Nervenkostüm war intakt, dringende Aufgaben hatte ich keine – also, wenn ein tobendes, ausser sich geratenes Kind, dann in dieser Verfassung.

Er hat es dann noch ein paar Mal versucht im Lauf des Nachmittags, das mit dem Schreien und Toben und „sösch hau i de!“ und ich habe mehr als einmal zurück geschrien und wenig Verständnis aufbringen können (wollen).

Eventuell ist dies die Kehrseite des Latte Macchiato: Dass ich diese Ausbrüche nicht regelmässig an eine Betreuungsperson auslagern kann. Grossmütter, da fehlt ihr uns!

Advertisements

2 Antworten zu “Komfort ist relativ

  1. Liebe Mirjam,
    vor ca. 4 Wochen habe ich den Latte Macchiato entdeckt. Frage : wo führt das hin, wenn er (nicht Werner!) sooooo gut ist?

    • Liebe Doris

      Solange Werner nicht anfängt, dich anzuschreien, weil er keine Mittagsruhe machen will, ist doch alles in Ordnung! Freue dich an deiner Komfortzone und wir werden uns dann im Frühling einladen zum Latte Macchiato bei dir!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s