Einmal zuviel

Ich hatte doch geschrieben, dass es jetzt genug sei mit dem Weihnachtsbasteln. Aber nun ist mir noch jemand eingefallen, der sich über ein selbstgemachtes Geschenk der Kinder freuen würde und noch eins, zwei für ähnliche Fälle in Reserve zu haben, wäre auch gut. Also habe ich die Bastelkiste gestern Abend noch einmal auf den Tisch gestellt.

Die perfekte Tochter hatte einen ganz überraschenden Anfall von Unselbstständigkeit, während dem perfekten Sohn ein wunderschönes Objekt gelang. Welches sich leider, während ich der perfekten Tochter aushalf, in einen Fisch verwandelte, der gefangen und getötet werden musste. Entsprechend sah es danach aus, ich versuchte es zu retten, gleichzeitig mit dem perfekten Sohn zu schimpfen und die perfekte Tochter zu etwas mehr Einsatz zu motivieren. Alles war wieder auf Kurs, als der perfekte Sohn sein wiederhergestelltes Geschenk erneut an sich nahm und eine soeben erdachte, sehr kreative Idee daran ausprobierte. In meinen Augen machte er es einfach ein zweites Mal kaputt. Ich habe nicht geschrien diesmal, ich habe einfach gesagt, wie traurig und enttäuscht ich sei. Vorwurfsvoll, resigniert, mit schlecht verhüllter Wut.

Kinder brauchen lebendige Eltern.

Eltern müssen nicht perfekt sein.

Gefühle zeigen ist wichtig.

Es gibt keine falschen Gefühle.

Ein Blick in die tieftraurigen Augen der perfekten Tochter sagte mir, dass es in dem Moment nicht darum ging. Natürlich darf ich sagen, wenn ich enttäuscht bin. Aber es war nicht angebracht, so enttäuscht zu sein. Es wäre kein Problem gewesen, den perfekten Sohn ein neues Teil machen zu lassen. Oder zu sagen, jäno, jetzt sieht es halt so aus, wem könnten wir das schenken? Und wenn das gerade wegen aufgebrauchten Verständnis-Ressourcen nicht möglich war, hätte ich es doch einfach zur Seite legen können und ihm sagen, dass ich das jetzt nicht gut fand. Aber das Jammern, die Vorwürfe, die sowieso am falschen Ort ankamen, die wären nicht nötig gewesen.

Nein, keine Selbstzerfleischung und ja, zwanzig Minuten später haben wir alle wieder unbeschwert gelacht – aber ich wünsche mir mehr Gelassenheit in solchen Momenten und einen klareren Blick für das Wesentliche und vielleicht hilft das Aufschreiben dabei.

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