Ein perfekter Arztbesuch

Letzte Woche ging ich mit dem perfekten Sohn zum Kinderarzt. Uns war während einer Erkältung aufgefallen, dass er schlecht hört und es besserte nur wenig, nachdem die Erkältung schon längere Zeit vorbei war. Immer wieder bat er uns, lauter zu sprechen oder merkte gar nicht, dass wir mit ihm redeten. Dies, in Kombination mit seiner zeitweise sehr undeutlichen Aussprache, löst bei einer perfekten Mutter natürlich Ängste aus.

Der Kinderarzt entdeckte neben immer noch geröteten Mandeln einen Schmalzpropf im rechten Ohr des perfekten Sohnes und meinte, als erstes müsse dieser raus, danach würden weitere Abklärungen eventuell Sinn machen. Die Ohrenspülung wurde auf Dienstag diese Woche gelegt.

Ich weiss nicht genau, was ich mir unter eine Ohrenspülung vorgestellt hatte, auf jeden Fall war es ein Schreckensszenario – schmerzhaft, unangenehm – und ich sah mich mit meinem brüllenden Kind auf dem Schoss, das ich kaum festzuhalten vermochte, während der Arzt – ja eben, was auch  immer machte. Natürlich gab ich mir Mühe, diese Bilder nicht zu sehr hochkommen zu lassen und v.a. den perfekten Sohn nichts davon merken zu lassen.

Also setzten wir uns gestern Nachmittag zuversichtlich auf das Bänkli im Labor der Kinderarztpraxis. Die MPA träufelte Tropfen ins Ohr und verschloss es mit Watte. Kappe drüber und nun waren wir eine halbe Stunde freigestellt, bis der eigentliche Horror losgehen würde. Der perfekte Sohn fand es lustig, v.a. die Watte und fragte mehrmals nach, ob der Doktor wirklich gesagt habe, dass er nur in einem Ohr Tröpfli brauche. Offenbar konnte er gar nicht genug davon bekommen.

Wir gingen also eine halbe Stunde lädelen, aus lauter vorgezogenem Mitleid kaufte ich ihm ein neues Bilderbuch und danach sassen wir wieder auf besagtem Bänkli. Spritzen lagen bereit, eine Schale mit Wasser, eine leere Schale und Tücher. Dazu zwei MPAs, deren grösste Sorge zu sein schien, dass die Kleider des perfekten Sohnes nicht allzu nass würden. Als ob es darauf ankommen würde! Doch sie hatten recht, genau darauf kam es an. Spritze um Spritze voll Wasser spülten sie in sein Ohr und es floss wieder raus, in oder neben die dafür vorgesehene Schale. Manchmal spritzte das Wasser auch nicht ins Ohr, sondern an die Brille der einen Frau oder an die Kleider der anderen. Der perfekte Sohn kicherte die ganze Zeit, es kitzelte nämlich so schön im Ohr und ich fühlte mich etwas ausgeschlossen bei dieser Wasserparty und wartete immer noch darauf, dass es schlimm würde. Da erschien die dritte MPA und mir schien, es erging ihr ähnlich wie mir. Jedenfalls fragte sie, ob der Pfropfen eigentlich rauskomme, schaute nach und entdeckte, dass er kurz davor war. „Wenn er draussen ist, tut es dann weh“, meinte sie noch. Aha, also doch! Weiter spülen, der Propfen kam raus, der perfekte Sohn fand es weiterhin lustig, die dritte MPA unterdessen auch, das restliche Schmalz wurde mit der Pinzette entfernt und dann war es vorbei. Ohrenspülen? Total easy im Fall!

Später beschied der perfekte Sohn dem Arzt, er höre jetzt wieder gut und wir werden dies die nächsten Wochen zuhause überprüfen.

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