Mein und dein

In meinem Büro steht mein Pult und darauf mein Laptop. Neben meinem Pult steht ein Tischchen für die Kinder und wiederum daneben ein Regal mit vier Tablaren. Für mich. Ursprünglich. Vor einem halben Jahr ungefähr sah ich ein, dass ich den Kindern nicht einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen kann, aber keine Ablagefläche für ihr Material, jedenfalls nicht, wenn ich mich über angefangene Kinderprojekte auf dem Fussboden ärgere. Also habe ich den Kindern ein Tablar frei geräumt. Kürzlich ein zweites – wegen akuter Platznot und erneuten Ausweichens auf den Fussboden. Es steht jetzt also halbe-halbe mit den Tablaren. (Ich habe übrigens noch ein zweites Gestell im Büro mit sechs Tablaren, wovon eines für den perfekten Ehemann frei geräumt ist – aber das wäre eine andere Geschichte.) Es klappt jetzt gut, das mit der Ablagefläche, es liegen keine Kindersachen mehr auf meinem Bürofussboden und wenn doch, können sie unkompliziert und schnell aufgeräumt werden.

Zurück zu meinem Pult und meinem Laptop. Unsere Kinder sind noch nicht wahnsinnig medienkompetent, sie spüren aber durchaus die Faszination, die von Dingen wie Laptop oder Handy ausgeht. Tasten, die man drücken kann und dann passiert etwas. Bilder auf dem Bildschirm, die sich beim Berühren verändern. Und wahrscheinlich hat auch mein entsetzter Blick etwas Faszinierendes, wenn ich auf den Ruf „Mami, es isch öppis Dumms passiert!“ ins Büro gestürzt komme.

Jedenfalls sind es häufig wiederkehrende Anliegen, insbesondere des perfekten Sohns: „Härzlispiel“ machen am Handy und „Schriibe am Compi“. Letzteres bedeutet Ausprobieren von grossen und kleinen Buchstaben in diversen Grössen und Schriften und das Kennenlernen der Funktion von Tastenkombinationen, von denen ich keine Ahnung hatte, dass sie existieren. Alles in allem noch eine gute Sache und ich sage auch oft ja dazu. Es gibt dabei zurzeit nur eine Begrenzung: Ich stelle mein Handy so ein, dass es nach fünf Minuten klingelt (resp. der perfekte Sohn nimmt diese Einstellung unterdessen selber vor) und wenn es so weit ist, ist fertig geschrieben, resp. dann kommt das andere Kind dran. Vom Zeitpunkt her und wie oft es fünf Minuten pro Tag sind, darauf konnte ich mich noch nicht festlegen.

Das hat den Nachteil, dass ich kaum ungestört etwas am Compi machen kann, wenn die Kinder in der Nähe sind. Der perfekte Sohn zumindest erachtet sein Recht, am Laptop zu sein, als mindestens so gross wie meins. Es kommt vor, dass ich ihn fünf Minuten schreiben lasse, bevor ich mich selber an den Laptop setze, damit ich nachher in Ruhe arbeiten kann (was übrigens eine Illusion ist). Oder dass ich für mich auch fünf Minuten einstelle, um nicht mit ihm diskutieren zu müssen, wie lange er warten muss. Und manchmal macht es mich auch einfach nur hässig, dass ich mein Recht, in meinem Büro an meinem Pult an meinem Laptop etwas zu machen, verteidigen muss. Schliesslich haben die Kinder im oberen Stock zwei Zimmer zur Verfügung und es gibt noch andere Ecken in unserem Haus, die ziemlich fest in Kinderkram-Hand sind. Also kann ich doch bitte sehr in Anspruch nehmen, dass ich auch mein Plätzli und meine Sachen habe, die ich ganz ohne Diskussion nutzen kann!

Warum setze ich mich dann nicht durch? Warum lasse ich den Kindern immer wieder so viel Raum, um ihn dann mühsam zurück zu erobern? Vielleicht, weil es ums Teilen geht, weil nicht alle alles haben müssen, weil die Diskussion um mein und dein in einer Familie für mich tatsächlich eine fortlaufende ist.  Aber auch ganz fest wegen Momenten, wie dem jetzt gerade: Wir sind zu dritt im Büro, die Kinder sitzen am Tischli, malen und basteln und ich kann schreiben. Das finde ich schön, dieses gemeinsam-nebeneinander Arbeiten und dafür stelle ich mein Büro gern zur Verfügung.

„Mami, daf i föif Minute am Compi sriibe?“ – „Ja, bald. Ich brauche noch zwei Minuten. Warte, ich stelle das Handy ein.“

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