Nachtaktiv

Ich bin müde und etwas traurig. Heute Nacht war ich definitiv keine perfekte Mutter, nicht einmal ein gutes Mami.

Es ist ja so eine Sache mit dem Schlaf unserer Kinder. Der perfekte Sohn ist offiziell von der Schlafberatung des Kinderspitals Zürich zum Wenigschläfer deklariert worden, der sich zudem während eines kurzen Schläfchens prima erholen kann. Daraus resultierten zahllose schlaflose Nachtstunden. Die perfekte Tochter braucht auch nicht sehr viel Schlaf und ist zudem anfällig für allerlei potenzielle Weckmöglichkeiten während der Nacht. Solange sie einen Nuggi hatte, ging dieser häufig verloren. Sie erwacht wegen Alpträumen oder weil ihre Decke auf den Boden gefallen ist. Weil sie aufs WC muss oder weil ein Stofftier unauffindbar ist. Langsam lernt sie, dass sie einiges davon ohne uns erledigen kann, aber meistens müssen wir doch zumindest Kenntnis haben von ihren nächtlichen Aktivitäten.

Der perfekte Ehemann und ich sind uns also allerlei gewöhnt und wissen eine gute Nachtruhe sehr zu schätzen. Und wir haben viele davon in letzter Zeit, so viele, dass ich fast schon etwas verweichlicht bin, scheint mir. Letzte Woche kam der Schlaf nämlich zu kurz, zum grössten Teil selbstverschuldet. Ich war an den meisten Abenden fort, z.T. wurde es spät, bis ich heim kam und wenn es nicht spät wurde, konnte ich trotzdem nicht gleich einschlafen. An dem Abend, an dem ich zuhause war, war der perfekte Ehemann im Ausgang und ich bin extrem schlecht im Allein-zu-Bett-gehen und zögerte es deshalb zu lange hinaus. Während einer Nacht hatte der perfekte Sohn eine seiner gefürchteten Wachphasen, wobei diese glimpflich verlief und nach ca. einer halben Stunde schon vorbei war. Und diese Nacht jetzt eben die perfekte Tochter. Es muss mindestens zwei Stunden gedauert haben von der ersten Ankündigung „i mues bisle“, bis sie schliesslich wieder eingeschlafen war. Allein sein konnte sie dabei nicht, dafür war sie zu wach und zudem hatte sie einen Frosch im Bett (ja, ihre Fantasie hat auch viele positive Seiten, aber manchmal dürfte es ein bisschen weniger sein). Zuerst kümmerte sich der perfekte Ehemann um sie, schliesslich war ich dran. Und dabei war ich so müde! Und so nicht fähig, für mein Kind da zu sein. „Du darfst in meinem Bett sein, aber ruhig!“ Ja klar, bis zum nächsten Gang aufs WC. „I go go bisle.“ – „Das musst du mir nicht sagen!“ Dann kam sie zurück, fing an mit „Das isch de Duume, dä schüttlet Pfluume,…“ „Nein! Ich will schlafen! Wenn du nicht ruhig sein kannst, musst du zurück in dein Bett!“ (Was wir dann mit dem dort schlafenden perfekten Ehemann gemacht hätten, weiss ich auch nicht.) Es dauerte noch eine Weile, sie stand noch ein paar Mal auf, schliesslich schlief ich ein, wahrscheinlich vor ihr.

Und jetzt am Morgen bin ich eben müde und traurig darüber, dass ich es nicht geschafft habe, die eigene Müdigkeit ein wenig zu überwinden und zumindest Verständnis zu zeigen. Es ist ja wirklich doof, wenn man nicht schlafen kann. Und Frösche im Bett sind gruusig und das dauernde Gefühl, aufs WC zu müssen, ist unangenehm. Da wäre man doch froh um jemanden, der ein paar liebevolle Worte hat für einen. Und vom Mami sollte man die doch erwarten können.

Interessanterweise macht sich die perfekte Tochter keine solchen Gedanken. Die Nacht ist vorbei, sie ist nicht müde, der Frosch ist weg und Mami hat am Morgen auch wieder mitgemacht bei „Das isch de Duume“. Alles perfekt also.

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