Der Beginn

Ich bin eine perfekte Mutter von zwei perfekten Kindern. Leider vergesse ich das mehrmals am Tag. Dann meine ich, wir müssten anders sein, besser. Zu unserer Familie gehört auch ein perfekter Ehemann und Vater. Auch das vergesse ich gelegentlich, aber damit kann ich viel besser umgehen. Er ist ja schliesslich selber für sich verantwortlich, während ich meine, für mich und die Kinder und unser perfektes Verhalten zuständig zu sein. Letzteres ist übrigens nicht immer perfekt und das ist indirekt der Grund, warum ich in diesem Café sitze und Zeit habe zum Schreiben.

Perfekter Sohn ist drei Jahre alt und weiss perfekt, was er wann will. Sehe ich das anders, schreit er. Schreit und schreit und hört gar nicht mehr auf, bis ich auch anfange zu schreien. Wenn das zu lange dauert, fängt er an, mich zu treten und das wirkt dann definitiv. Mein ganzes pädagogisches Wissen versagt, ich erkläre, ignoriere, strafe, er aber schreit, bis ich ausraste. Im besten Fall alle Tage einmal, ganz gern aber auch mehrmals täglich.

Ich brauche Rat. Und bekomme den von der Mütterberaterin, die mit mir einen Beratungstermin abmacht. Ich organisiere eine Betreuung für die Kinder, gehe hin und sie ist nicht da. Perfekt.

Und so habe ich Zeit, im Café zu sitzen und zu schreiben.

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